Krankenhausbetten retten leben. St. Jupp muss bleiben!

Die Corona-Pandemie zeigt täglich, wie wichtig eine öffentliche Gesundheitsvorsorge ist. Andere NRW-Kommunen schauen mit Neid auf die noch bestehende Hammer Krankenhauslandschaft. Die Bettenversorgung ist ausreichend, da wir mit dem St. Josef ein Krankenhaus haben, das im Besonderen die Bevölkerung in Bockum-Hövel und in Teilen von Herringen klinisch versorgt. Die Corona-Pandemie, die zwar eine Extremsituation darstellt, verdeutlicht, dass die Gesundheitsvorsorge ein wichtiges öffentliches Gut ist, dass sichergestellt sein muss. Die Schließung des St. Josef-Krankenhauses wäre in dem Zusammenhang nicht nur ein Desaster für die strukturelle Entwicklung, die besonders stark Bockum-Hövel treffen würde, sondern gefährdet insgesamt die Gesundheitsversorgung der Hammer Bevölkerung. Wir sollten uns nicht der Illusion hergeben, dass der Spuk nach dem Corona-Virus vorbei sein wird. Es ist davon auszugehen, dass in einer so vernetzten Welt wie unserer in Abstand von mehreren Jahren immer wieder neue Virentypen auftauchen werden, die auch Deutschland treffen. Um diesem Gefährdungspotenzial zu begegnen, müssen wir die Zahl der Krankenhausbetten deutlich aufstocken und unser Gesundheitssystem zukunftsfähig machen. Dementsprechend ist die Politik in der Verantwortung stärker einzugreifen, um Fehlentwicklungen zu verhindern. Dass der Bund, den Krankenhäusern eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen will, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, muss aber vom Land mit mindestens derselben Summe flankiert werden, um die Krankenhauslandschaft in Nordrhein-Westfalen stabil zu halten. Das St. Josef-Krankenhaus ist für die gesundheitliche, klinische Versorgung in Hamm unabdingbar. Hier können auch Neubauten an der Barbara-Klinik den Wegfall der Bettenzahl und die ärztliche Versorgung nicht kompensieren. Wenn man mitbedenkt, dass rund ein Drittel der Hausärzte in Bockum-Hövel in den letzten zehn Jahren ohne einen Nachfolger ihre Praxen geschlossen haben, zeigt sich der dramatische Negativtrend der Gesundheitsversorgung, der sich im Besonderen in Bockum-Hövel offenbart.

Eine andere eklatante Baustelle ist die Versorgungsquote niedergelassener Ärzte in Hamm. Das betrifft besonders den Bereich der Hausärzte, aber auch einiger Fachärzte, wie die Kinderärzte. Hier haben wir jetzt schon massive Engpässe und diese werden sich in den nächsten Jahren massiv verstärken, wenn die Politik zeitnah gegensteuert. Besonders dramatisch wird es dann, wenn in einem Ortsteil, wo es nur einen praktizierenden Allgemeinmediziner gibt dieser ohne Nachfolger seine Praxis schließt. Die Kassenärztliche Vereinigung weigert sich bis heute ihre Hausaufgaben zu machen und negiert einen drohenden Ärztemangel und begründet das mit ihren Messzahlen. Die Messzahlen beruhen auf der Annahme, dass die Menschen im Ruhrgebiet, und dazu zählt die Stadt Hamm, gesünder seien und somit insgesamt eine geringere Dichte an Hausärzten benötigen. Aktuelle Studien widerlegen diese Annahme und zeigen das genaue Gegenteil, dass das Landleben gesünder sei, als das Leben in den Großstädten. Das gilt im Besonderen für urbane Zentren, die industriell geprägt sind und wo bis heute die Industriearbeit einen hohen Stellenwert einnimmt. Das trifft u.a. auf die Stadt Hamm zu. Die Messzahl, dass ein Hausarzt für 2000 Einwohner ausreichend ist, wird in keiner Weise der Wirklichkeit gerecht. Hier müsste die Relation ein Hausarzt auf maximal 1700 Einwohner gelten. Davon sind wir in Hamm leider noch weit entfernt. Ein weiteres Problem bringt die Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung erst gar nicht zum Vorschein. Hamm ist eine relativ große Flächenstadt, das bedeutet aber nicht, dass die Summe der Hausärzte gleichmäßig auf die einzelnen Stadtbezirke verteilt sind. Wir haben eine starke Konzentration in der Innenstadt, aber teilweise eklatante Versorgungslücken in den einzelnen Sozialräumen, wie z.B. dem Hammer Westen und möglicherweise bald auch in Uentrop. So mussten 2018 und 2019 Hausärzte in Heessen, Bockum-Hövel und dem Hammer Westen ihre Praxen schließen, da sie trotz jahrelanger Suche keinen Nachfolger finden konnten. Die freigewordenen Sitze kann zwar von einem Neumediziner erworben werden, dass bedeutet aber nicht, dass der neue Hausarzt sich zwangsläufig dort niederlassen muss, wo der Bedarf am höchsten ist. Die mangelhafte gleichmäßige Verteilung der Hausärzte stellt im Besonderen für ältere und chronisch kranke Menschen und Familien, die häufig nur eingeschränkt mobil sind, ein zunehmendes Problem dar. Die Problematik wird sich, wenn das St. Josef-Krankenhaus mit seiner gut-frequentierten Notfall-Ambulanz schließt, massiv für die nördlichen Stadtbezirke verschärfen und eine umfassende medizinische Versorgung im Sinne der Patienten wird ausgehöhlt.

Die Politik hat in der Frage, wie man eine ausreichende Ärzteversorgung in der Fläche schafft, kläglich versagt. Die Zahl der Studienplätze in Nordrhein-Westfalen für Medizin decken den Nachfragebedarf bei Weitem nicht ab. Hier hätten die regierenden Parteien in Düsseldorf, aber auch der Bund die Medizinischen Fakultäten an den Universitäten in den letzten zwanzig Jahren stärker ausbauen müssen. Des Weiteren kommt die nicht hinnehmbare Situation, dass selbst Abiturienten mit einem Notenschnitt von 1,5 aufgrund eines Numerus Clausus von Minimum 1,1 so gut wie keine Chance haben ein Medizinstudium zu starten. Die Folge ist, dass eher Abiturientinnen diese Leistung erbringen, als ihre männlichen Mitschüler. Das Ergebnis ist eine zunehmende Verweiblichung der Ärzteschaft. Das allein wäre kein Problem, aber die hohe Anzahl an Frauen unter angehenden Hausärzten trifft auf eine Gesellschaft, die bis heute es nicht schafft Frauen zu ermöglichen Beruf und Familie unter einem Hut zu bringen. Eine weitere Ursache für den zunehmenden Ärztemangel, neben allen strukturellen Problemen, ist, dass jeder Hausarzt zugleich ein Selbständiger ist vergleichbar mit einem kleinen Betrieb und hier scheuen sich im Besonderen junge Menschen diese Verantwortung und langfristige Bindung auf sich zu nehmen. Sie entscheiden sich dementsprechend, z.B. für eine Festanstellung in einem Krankenhaus, wo sie in der Regel problemlos in Elternzeit gehen oder ihre Arbeitsstunden reduzieren können ohne ihre berufliche Existenz zu gefährden. Der Vorsitzende des Hammer Ärztevereins hat richtig erkannt, dass man potenzielle Hausärzte durch optimale Rahmenbedingungen nach Hamm holen muss. Hier ist die Politik gefragt, z.B. den Hausärzten angemessene Praxisräume zur Verfügung zu stellen oder einen verbindlichen Kita-Platz. Denn eins muss allen Beteiligten klar sein: Medizinische Versorgung ist Daseinsvorsorge.