Nicht Spalten lassen, sondern das WIR-Gefühl suchen!

Hamm ist eine weltoffene, vielfältige, tolerante und internationale Stadt. Hamm ist bunt und das ist gut so! Rund ein Drittel aller Bürger*innen unserer Stadt haben einen sogenannten Migrationshintergrund. Diese multikulturelle Gesellschaft ist ein großer Mehrwert für Hamm. Der Wahlspruch der Europäischen Union lautet: E pluribus unum – in Vielfalt vereint! Alle Menschen mit und ohne einen Migrationshintergrund sind ein integraler und unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesellschaft. So würde z.B. das Gesundheitssystem ohne Fachkräfte mit ausländischen Wurzeln in sich zusammenbrechen. Denn, ob es die Ärztin, die Pflegekraft oder die Krankenschwester in den Krankenhäusern, den Altenheimen oder Praxen sind. Sie alle bringen sich ein und sind keine Belastung, sondern eine Bereicherung für unsere Stadt.

Integration und die damit verbundene Akzeptanz des Anderen ist weder ein reibungsloser, konfliktfreier Prozess, noch eine Einbahnstraße. Integration und Akzeptanz fordert von Aufnahmegesellschaft eine Willkommenskultur von den Zugewanderten die Bereitschaft über den eigenen Tellerrand zu blicken. Die Grundlage eines friedlichen und gemeinschaftlichen Zusammenlebens ist unverrückbar und dies sind die Werte und Normen des Grundgesetzes. Das ist die selbstverständliche Leitkultur für alle Menschen in Deutschland.

Wir begrüßen die Bereitschaft der Stadt Menschen, die vor Krieg und Zerstörung ihrer Heimat in Hamm eine Zuflucht gefunden haben, zu unterstützen. Diese Menschen haben unendliches Leid ertragen müssen und brauchen unsere Unterstützung, um ein neues Leben in Hamm aufzubauen.

Leider sind Menschen mit einer Migrationsgeschichte in der Stadtgesellschaft, wenn es um Funktionsstellen, z.B. in der Politik und der Wirtschaft deutlich unterrepräsentiert. So fordern wir, dass soziale Gruppen, die einer stärkeren Chancenungleichheit unterworfen sind, durch konkrete Instrumente diesen Nachteil ausgeglichen bekommen. Dementsprechend befürworten wir die Einführung von sogenannten anonymisierten Bewerbungen bei der Stadtverwaltung und den Tochtergesellschaften der Stadt.

Bei einem anonymisierten Bewerbungsverfahren wird auf Angaben wie Name, Geschlecht oder Herkunft verzichtet, so dass allein die Qualifikation der Bewerber die Grundlage für eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist. So werden nachweislich die Chancen insbesondere für Frauen, ältere Arbeitnehmer*innen und Menschen mit Migrationsgeschichte erhöht. Bei einer Anonymisierung herrscht tendenziell Chancengleichheit für alle Bewerbenden. Der Personalchef hat nicht die Möglichkeit nach einem kurzen Blick aufs Foto oder das Alter die Bewerbung auszusortieren. Im angelsächsischen Sprachraum ist der Verzicht auf persönliche Angaben in vielen Unternehmen schon lange üblich. Alle Organisationen, die anonymisierte Bewerbungen durchführen, berichten durchweg über positive Erfahrungen. Die anonymisierte Bewerbung ist ein gutes Instrument um mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen und es beugt gleichzeitig politischen Klüngel und einer Stellenvergabe unter der Hand vor. Weder darf die ethnische Herkunft oder das richtige Parteibuch für die Besetzung einer Stelle ein Kriterium sein. Alle Bewerber*innen müssen nicht nur theoretisch, sondern auch in der Realität die gleichen Chancen haben. Das wird nur der Fall sein, wenn die Entscheidungsgrundlage auf einer anonymisierten Bewerbung beruht. Die Auswahlkriterien müssen für die Allgemeinheit transparent und nachvollziehbar sein.“ Die Ratsgruppe Pro Hamm beantragt daher, dass der Rat der Stadt Hamm der Stadtverwaltung empfiehlt, anonymisierte Bewerbungen einzuführen. Dasselbe soll ebenso bei den städtischen Tochterunternehmen Anwendung finden. Des Weiteren soll die Wirtschaftsförderung stärker als bisher, u.a. Workshops und Fortbildungen anbieten die, die Diskriminierung bei der Personalsuche thematisieren und Arbeitgeber*innen für die Thematik sensibilisieren. Wir als Steuerzahler haben einen Anspruch darauf, dass bei der Stadt Hamm nicht diejenigen, die gut vernetzt sind, (Schalt-)Stellen besetzen, sondern wir wollen die bestqualifizierteste Person auf den jeweiligen Posten. Wir müssen wegkommen von der Mitnahmementalität, in der Stellen mit Parteifreunden besetzt werden. Wenn wir wollen, dass die Bürger sich nicht von der Politik abwenden, dann muss die Politik transparenter werden. Ein Schritt in diese Richtung wäre die anonymisierte Bewerbung.

Die Integration und die Akzeptanz des Anderen gehen einher mit dem Kampf gegen jegliche Form vom Extremismus, Hass und Rassismus. Die demokratische Zivilgesellschaft in Hamm muss die unmissverständliche Botschaft von sich geben, dass Hass und Rassismus nie einen Platz in unserer Gesellschaft haben darf. Hass und Menschenverachtung tötet Menschen. Unsere Demokratie ist wehrhaft und unsere Werte sind es wert verteidigt zu werden. Die Würde eines Menschen ist unteilbar und dieses steht jedem zu. Wenn Rechtsextreme das für Mitbürger*innen mit nichtdeutschen Wurzeln abstreiten, ist es die Pflicht jedes einzelnen demokratischen Bürgers sich gegen rechte und radikale Ideologien zu erheben. Faschistisches Gedankengut ist das Gift, dass im 20. Jahrhundert Millionen Menschen getötet hat und dieses Gedankengut breitet sich besorgniserregend und in rasender Geschwindigkeit in den letzten Jahren wieder aus. Wir müssen als Gesellschaft im Großen, wie im Kleinen zusammenstehen und allen Mitbürgern, unabhängig ihrer Herkunft, die in Deutschland leben die klare Haltung vermitteln, dass sie selbstverständlich ein fester und unumstößlicher Bestandteil Deutschlands sind. Wir dürfen uns nicht von Extremisten die Agenda diktieren lassen und müssen Acht geben, dass unsere Gesellschaft nicht weiter nach rechts driftet. Der Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung duldet weder Alternativen noch Ausnahmen noch Relativierungen noch graduelle Abstufungen. Er ist allumfassend und richtet sich gegen jedwede Formen von Diskriminierung und Gewalt, auf welcher Grundlage auch immer sie erfolgen.