Die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit ist eine wichtige Baustelle, welche die Politik bis heute nicht zur Zufriedenheit lösen konnte. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass man in Krisenzeiten schnell wieder in traditionelle Muster zurückfällt und die Frau in erster Linie den Haushalt und die Erziehung der Kinder zu verantworten hat. Die städtische Politik muss sich zukünftig vermehrt an den Kriterien der Familienfreundlichkeit orientieren. So ist es ein Muss, dass in allen Sozialräumen ortsnah ausreichend Kindergartenplätze vorhanden sind. Es geht weiter mit zielgruppengerechten Angeboten für Kinder und Jugendliche. Das kann der Spielplatz sein, der inklusions- und kindgerecht gestaltet ist oder das Jugendzentrum mit Spiel- und Mitmachangeboten für Kinder und Jugendliche im Quartier. Es umfasst aber auch die Betreuung von Kindern und Jugendlichen im offenen Ganztag, die selbstverständlich an Qualitätsstandards gekoppelt ist.

Die Wählergruppe Pro Hamm hat sich in den letzten Jahren den Themenkomplex Kinder, Jugend und Familie auf die Tagesordnung gesetzt. So fordern wir, dass eine sogenannte 24-Stunden-Kita eingerichtet wird. Wir haben eine zunehmende Pluralisierung der Lebensformen, die einhergeht mit der Schwierigkeit Familie und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Die steigende Erwartungshaltung der Arbeitswelt, die sich u.a. in einer verstärkten Schichtarbeit zeigt, ist insbesondere für die soziale Gruppe der Alleinerziehenden ein großes Problem. Die Zahl der Menschen, die am Tag schlafen und nachts arbeiten, z.B. im Gesundheitswesen nimmt stetig zu. So entsteht ein Bedarf an professioneller Kinderbetreuung in Randzeiten. Eine solche Kinderbetreuung für zum Beispiel Schichtarbeiter ermöglicht es diesen erst überhaupt einer Vollzeittätigkeit nachzugehen. Der Begriff „24-Stunden-Kita“ ist aber irreführend. Denn selbstverständlich wird ein Kind nicht ganztägig abgegeben. Die Kinder bleiben insgesamt nicht länger, sondern nur zu anderen Zeiten in der Kita. Es geht in der Regel um die jeweiligen Arbeitszeiten, also um acht oder neun Stunden. Es existieren bereits in rund einem Dutzend Kommunen in Deutschland sogenannte „24-Stunden-Kitas“ und die Tendenz ist steigend. So sollte in allen Stadtbezirken mindestens ein Kindergarten ein solches Angebot anbieten. Eine weitere Anregung, die bisher von der Stadtverwaltung und der Großen Koalition nicht umgesetzt wurde, ist die, dass Grundschulen die Möglichkeit anbieten Schüler*innen ab 07:00 Uhr zu betreuen. Das käme im Besonderen den Erziehungsberechtigen zu Gute, die z.B. alleinerziehend sind oder lange Anfahrtswege zur Arbeit haben.

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Entscheidungen ist als verpflichtendes und durchgängiges Handlungsprinzip gesamtgesellschaftlich anerkannt und u. a. in den §§ 8 und 11 SGB VIII und der UN-Konvention über die Rechte des Kindes gesetzlich festgeschrieben. Kinder und Jugendliche sind von politischen Entscheidungen betroffen und haben ein Recht, ihre Positionen in die gesellschaftliche Debatte um die Zukunft einzubringen, das Gemeinwesen aktiv mitzugestalten und für sich und andere Verantwortung zu übernehmen. Dies gilt umso mehr, da die jungen Menschen bis 16 Jahre kommunalpolitisch kein Wahlrecht besitzen. Auf dem Weg dorthin sind Kinder und Jugendliche in größtmöglichem Maße frühzeitig zu beteiligen. In diesem Sinne fordert die Wählergruppe Pro Hamm einen Kinder- und Jugendrat als eine institutionalisierte Beteiligungsform der Interessensvertretung von Kindern und Jugendlichen für die Kinder und Jugendlichen in Hamm. Dies wäre eine Ergänzung zu den sogenannten Jugendforen, die in den Stadtbezirken bereits praktiziert werden und stärker den gesamtstädtischen Fokus im Blickpunkt haben.