Die Schüler von heute sind die Fachkräfte von morgen

Die Bilanz der Bildungspolitik der Großen Koalition und der schwarzgelben Vorgängerregierung ist ernüchternd. Thomas Hunsteger-Petermann ist seit 1999 Oberbürgermeister dieser Stadt und dennoch ist es nicht gelungen das zementierte Bildungsgefälle in der Stadt substanziell aufzubrechen. Das Ergebnis dieser Politik kann aus den Zahlen und Daten der alljährlichen Schulstatistik entnommen werden. Das massive Bildungsgefälle zwischen den nordwestlichen und südöstlichen Stadtbezirken konnte in 21 Jahren „Regentschaft“ Hunsteger-Petermann nicht aufgebrochen werden. Hamm war und bleibt eine geteilte Bildungsstadt. Der Bildungserfolg bzw. Nichterfolg eines Kindes ist in Hamm maßgeblich von der sozioökonomischen Herkunft abhängig. Dieser Zustand ist inakzeptabel und ist auch das Ergebnis einer städtischen Bildungspolitik, die zu wenig in die Ressource Bildung investiert hat. In den letzten 21 Jahren wurden viele Projekte, die gut gemeint, aber nicht gut gemacht waren, zwar aufgegriffen, aber wieder verworfen. Ein roter Leitfaden in der Bildungspolitik ist bis heute nicht zu erkennen und so versagt die Stadtverwaltung unter Leitung des Oberbürgermeisters Hunsteger-Petermann, eine bestmögliche Bildung für alle in Hamm zu ermöglichen. Es fehlt bis heute ein nachhaltiger Leitfaden, um die Schullandschaft fit für die Herausforderungen des neuen Jahrzehnts zu machen.

Eine Universität in Hamm, ist eine Bereicherung auf allen Ebenen

Die Gründung der Fachhochschule war ein positiver Beitrag für die Entwicklung der Stadt. Dieser Schritt hat gezeigt, dass man den Weg fortsetzen muss und so streben wir als Leitvision für 2030 die Gründung einer Universität in Hamm an. Eine Universität wäre ein Quantensprung in der Entwicklung der Stadt, der das Gesicht von Hamm für das 21. Jahrhundert nachhaltig positiv sehr verbessern würde. Die Gründung der FH Hamm-Lippstadt 2009, mit ihren derzeit rund 6200 eingeschriebenen Studierenden, war ein Meilenstein für den Bildungsstandort Hamm. Keine Entscheidung der letzten zwanzig Jahre war wichtiger und richtiger als die Ansiedlung der Hochschule im Hammer Osten. Mittlerweile ist die Zeit aber reif, um für das neue Jahrzehnt eine weitere Vision in die Diskussion einzubringen. So halten wir es für zu kurz gedacht, wenn wir uns auf den Vorschlag der CDU beschränken und für das ehemalige Thyssen-Gelände und dem Rangierbahnhof ein sogenanntes Science-Center anvisieren. Wir müssen den Hochschulstandort substanziell weiterentwickeln und deswegen fordern wir, dass nach der erfolgreichen Gründung der Fachhochschule die Zeit gekommen ist und Hamm eine Universitätsstadt wird. Eine Universität für Hamm ist eine Leitvision für 2030 die, die Entwicklung der Stadt stärker und positiver beeinflussen würde als alle Entscheidungen, die in den letzten fünfzig Jahren getroffen wurden oder auch alle Entscheidungen, die in den Folgejahren getroffen werden, Die Gründung und der Aufbau einer Universität ist, und das ist uns bewusst, ein über Jahre laufender und langwieriger Prozess, aber die Anstrengung lohnt sich definitiv. Wenn wir die Studierendenzahlen in NRW und Deutschland betrachten, ist ein klarer Bedarf feststellbar. So waren im Wintersemester 2019/20 an den Hochschulen in Deutschland rund 2,9 Millionen Studierende eingeschriebenen. Zehn Jahre vorher waren es hingegen nur rund 2,1 Millionen Studierende. Das macht einen Anstieg von knapp 37 Prozent. Wir haben in den letzten zwei Dekaden einen starken Akademisierungsgrad erlebt, der, und das machen alle Prognosen deutlich, sich auch in Zukunft fortsetzen wird. War im 20. Jahrhundert noch die Industrie, wie der Bergbau die Basis unseres Wohlstandes, so leben wir im 21. Jahrhundert in einer Wissensgesellschaft und Bildung ist zunehmend das Humankapital auf das unsere Gesellschaft aufbaut. Eine Universität in Hamm mit Zwanzigtausend und mehr Studierenden, an der man in den Fakultäten, u.a. Lehramt, Jura oder Medizin studieren kann, wäre für die strukturelle Entwicklung der Stadt revolutionär. Die Existenz einer Universität hätte positive Auswirkungen auf alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Ob dies nun der Arbeitsmarkt, die Kultur oder die Innovationskraft ist. Wenn eine Stadt wie Paderborn, die weniger Einwohner als Hamm besitzt, eine Universität mit rund 20 000 Studierenden hat, so sollte es das politische Ziel aller Parteien in Hamm sein, eine derartige Vision auch in Hamm wahr werden zu lassen. Wir sehen es auch nicht als Nachteil, sondern als Vorteil an, dass Hamm mit Dortmund, Münster, Bielefeld und Paderborn regelrecht von Städten mit einer Universität umrahmt ist. So kann regionale Zusammenarbeit leichter erfolgen und Netzwerke entstehen, die einen wichtigen Baustein bilden, der die Gründung einer Universität erleichtert. Ein weiterer Vorteil ist, dass der beschlossene Kohleausstieg durch einen Strukturausgleichsfond für betroffene Regionen und Kommunen unterstützt wird, der gerade für eine Stadt wie Hamm viele Millionen Euro in Aussicht stellt. Diese Geldsumme wäre ein mögliches Startkapital für die Gründung einer Universität. Auf den Punkt gebracht: Es spricht alles dafür, sich für Hamm als zukünftige Unistadt stark zu machen, aber nichts dagegen.

Die Wählergruppe Pro Hamm verlangt, dass die Politik in der Kommune Maßnahmen ergreift, die nicht nur mehr Bildung fördern, sondern in erster Linie Bildung für alle ermöglicht. Bildung ist der Schlüssel zum sozialen Aufstieg. Deswegen muss das Thema Bildung im politischen Handeln oberste Priorität haben. Es muss uns gelingen, dass Kinder und Jugendliche unabhängig ihrer sozioökonomischen Herkunft dieselben Bildungschancen haben. Denn zum Verständnis gehört auch, dass es keine bildungsfernen Gruppen gibt, sondern nur bildungsbenachteiligte.