Die fetten Jahre sind vorbei. Die bundesweit positive wirtschaftliche Entwicklung in den letzten zehn Jahren, von der wir auch in Hamm profitiert haben, gehört der Vergangenheit an und schon vor der Corona-Krise mussten wir feststellen, dass die Arbeitslosenzahlen deutlich angestiegen sind. Die Corona-Pandemie verschärft dramatisch den negativen Trend.

Trotz eines scheinbaren Booms auf dem Arbeitsmarkt in der letzten Dekade, ist Zahl der abhängig Erwerbstätigen, die neben ihrem regulären Einkommen auf ALG-II-Leistungen angewiesen ist, seit 2010 bis heute stagniert, beziehungsweise ist sogar leicht gestiegen. Außerdem ist kritisch anzumerken, dass die Zahl der Hammer Bürger*innen, die einen Zweitjob nachgehen müssen, in den letzten Jahren stark angestiegen ist. Der Arbeitsmarkt in Hamm ist gespalten. Ein Teil der Arbeiterschaft hat vom Boom der Wirtschaft profitiert, aber an nicht Wenigen ging der Aufschwung ganz oder weitgehend vorbei. So hat die Zahl sogenannter prekärer Arbeitsverhältnisse zugenommen und das amerikanische Phänomen „Arm trotz Arbeit“ hat auch längst in die Hammer Haushalte Einzug eingehalten. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir brauchen nicht einfach mehr Jobs, sondern ein Plus an besser bezahlten Jobs und keine Jobs, die einen knapp übers Wasser halten oder man trotz einer Vollzeitstelle auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen ist. Das betrifft im Besonderen Arbeitskräfte im Gaststätten- und Hotelgewerbe, wo eine Altersarmut vorprogrammiert ist. Die Politik versagt in der Frage, wie ein Mehr an Lohngerechtigkeit erreicht werden kann. Die Wirtschaftsförderung Hamm setzt bis heute zu stark auf ihr Steckenpferd Logistik und vernachlässigt sträflich innovative und zukunftsfähige Industrien. Die Zahlen der steigenden Armutsentwicklung, die man auf die lokale Ebene herunterbrechen kann, unterstreichen diese negative Entwicklung. Wir haben einen Prozess, in dem sich die Gesellschaft zunehmend in Gewinner und Verlierer einteilt. Hier ist Hamm keine Insel der Seligen, wie die Stadtverwaltung und die Große Koalition es gerne propagieren.

Die Wählergruppe Pro Hamm fordert eine nachhaltige Arbeitsmarktpolitik, die einhergeht mit einer Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung. Der Schutz der Umwelt und die scheinbare Schaffung von Arbeitsplätzen dürfen nicht mehr gegeneinander ausgespielt werden. Das Ziel einer städtischen Wirtschafts- und Arbeitspolitik muss es sein, die Ökonomie und die Ökologie in einen harmonischen Einklang zu bringen. Deswegen: Hamm ist mehr als Logistik! So muss die klare Zielsetzung sein, dass man den Strukturwandel nur bewältigen kann, wenn man sich in Zukunft breiter aufstellt und im Besonderen qualifizierte Arbeitsplätze vor Ort fördert.