Beiträge

Einführung von anonymisierten Bewerbungen bei der Stadtverwaltung und den städtischen Tochtergesellschaften

Die Ratsgruppe Pro Hamm begrüßt ausdrücklich die Beschlussvorlage Nr. 0466/21, in der der Rat die Stadtverwaltung auffordert die Charta der Vielfalt zu unterzeichnen.

Die Urkunde der Charta der Vielfalt hält u.a. folgendes fest: ,,Die Vielfalt der Gesellschaft, beeinflusst durch die Globalisierung, den demografischen und gesellschaftlichen Wandel, prägt auch die Arbeitswelt in Deutschland. Wir können wirtschaftlich und als Gesellschaft nur erfolgreich sein, wenn wir die vorhandene Vielfalt anerkennen, fördern und nutzen. Das betrifft die Vielfalt in unserer Belegschaft und die vielfältigen Bedürfnisse unserer Geschäftspartner_innen bzw. Bürger_innen. Die Diversität der Mitarbeitenden mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Talenten eröffnet Chancen für innovative und kreative Lösungen.“

Die Umsetzung der „Charta der Vielfalt“ in der Hammer Stadtverwaltung hat zum Ziel, ein wertschätzendes Arbeitsumfeld für alle Mitarbeitenden zu schaffen – unabhängig von Alter, ethnischer Herkunft und Nationalität, Geschlecht und geschlechtlicher Identität, körperlichen und geistigen Fähigkeiten, Religion und Weltanschauung, sexueller Orientierung und sozialer Herkunft.

Die Initiative ist zu begrüßen, wird aber strukturelle Benachteiligungen in der Arbeitswelt nachhaltig nicht abbauen. Es handelt sich hierbei um eine reine Absichtserklärung, die keinerlei verbindlichen Charakter hat. Dementsprechend müssen aus unserer Sicht weitere zielführende Werkzeuge eingesetzt werden.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes verweist hier auf das Instrument von sogenannten anonymisierten Bewerbungen. Die Effektivität des Instruments wird durch Studien bestätigt, die deutlich machen, dass eine wirksame Maßnahme, um einer sozialen Selektion entgegenzuwirken, die Einführung von anonymisierten Bewerbungen sein können.

Personalverantwortliche haben in der Regel gut durchdachte und bewährte Rekrutierungsmethoden für ihre Organisation entwickelt. Für die Bewerbenden sind diese Auswahlwege und -kriterien jedoch oft nicht transparent und nachvollziehbar. Das gilt im vor allem in der ersten Stufe des Bewerbungsverfahrens, wo eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, einzelne Gruppen zu benachteiligen.

Mit anonymisierten Bewerbungsverfahren sollen vorschnelle Rückschlüsse und (oftmals unbewusste) Vorurteile aufgrund bestimmter persönlicher Merkmale der Bewerbenden vermieden werden. Dieses Ziel stellt sich bereits unmittelbar nach Einführung der anonymisierten Bewerbungsverfahren ein. Die Anonymisierung rückt die Qualifikation der Bewerbenden in den Mittelpunkt und stellt somit eine objektive Bewerberauswahl sicher. Gleichzeitig sendet der Arbeitgeber das Signal an Arbeitsuchende, dass diskriminierungsfreie Einstellungen einen hohen Stellenwert im Unternehmen bzw. der Organisation haben. Organisationen können sich so als offene Arbeitgeber präsentieren und gegebenenfalls neue Bewerbergruppen erschließen.

Bei einem anonymisierten Bewerbungsverfahren werden auf Angaben wie Name, Geschlecht oder Herkunft verzichtet, so dass allein die Qualifikation des Bewerbenden die Grundlage für eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist. So werden nachweislich die Chancen insbesondere für Frauen (mit Kindern), ältere Arbeitnehmer*innen und Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund erhöht.

Die Ratsgruppe Pro Hamm beantragt daher, dass der Rat die Stadtverwaltung beauftragt anonymisierte Bewerbungen als Standard beim „Konzern Hamm“ einzuführen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Cevdet Gürle
Sprecher / Ratsherr

 

Erol Gürle
Ratsherr

Gleiche Chancen für alle? Nicht erwünscht!

Nachrichten aus der Hammer Politik …

Gleiche Chancen für alle? Nicht erwünscht!

Die CDU/SPD-Stadtregierung sagen, unterstützt von der FDP und der Linke NEIN zur Einführung von anonymisierten Bewerbungen

Weiß, männlich, Elite – so lautet das Fazit vieler nationaler und internationaler Studien, die sich mit der Zusammensetzung des Führungspersonals in Unternehmen auseinandersetzen. Wir sind leider noch weit davon entfernt die Unterrepräsentanz von z.B. Frauen, Migranten oder älteren Arbeitnehmern in Unternehmen und nichts anderes ist die Stadt Hamm als größter Arbeitgeber in unserer Kommune, aufzubrechen.

Wir möchten an dieser Stelle, u.a. auf die Studie „Diskriminierung am Arbeitsmarkt“ verweisen, in der empirisch festgehalten wurde, dass ein Bewerber mit einem typisch deutschen Namen im Schnitt fünf Bewerbungen schreiben muss bis er eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält, aber ein Bewerber mit einem türkischen Namen mindestens sieben Bewerbungen absenden muss, um dasselbe Ergebnis zu erlangen. Ich bringe es pointiert auf den Punkt: Tim schlägt Ali! Das ist ein Dauerzustand, der nicht hinnehmbar ist und den wir als Stadtgesellschaft entgegentreten müssen. Hier sind wir alle in der Pflicht, auch und im Besonderen die Politik und die Stadtverwaltung.

Für die Rathausspitze ist selbstverständlich allein die Eignung und die Leistung eines Bewerbers die Grundlage für die Einstellung ist. Nun, dann sei folgende Frage erlaubt: Ist das ein reiner Zufall, dass zwar nur rund 4 Prozent aller Bundesbürger Mitglied in einer Partei sind, aber knapp 20 Prozent aller Hausmeister, Mitarbeiter in den Schulsekretariaten oder in einem kommunalen Energieversorger ein Parteibuch haben oder einer Partei zu mindestens nahe stehen?

Kommunen in Deutschland, aber auch Großunternehmen, die international tätig sind, greifen zunehmend auf das Instrument sogenannter anonymisierter Bewerbungen zurück. Bei einem anonymisierten Bewerbungsverfahren werden auf Angaben wie Name, Geschlecht oder Herkunft verzichtet, so dass allein die Qualifikation der Bewerber*innen die Grundlage für eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist. So werden nachweislich die Chancen insbesondere für Frauen, ältere Arbeitnehmer und Menschen mit Migrationsgeschichte erhöht. Bei einer Anonymisierung herrscht tendenziell Chancengleichheit für alle Bewerbenden. Der Personalchef hat nicht die Möglichkeit nach einem kurzen Blick aufs Foto oder das Alter die Bewerbung auszusortieren. Im angelsächsischen Sprachraum ist der Verzicht auf persönliche Angaben in vielen Unternehmen schon lange üblich. Alle Organisationen, die anonymisierte Bewerbungen durchführen, berichten durchweg über positive Erfahrungen. Die anonymisierte Bewerbung ist ein gutes Instrument um mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen und es beugt gleichzeitig politischen Kungeleien und einer Stellenvergabe unter der Hand vor. Weder darf die ethnische Herkunft oder das richtige Parteibuch für die Besetzung einer Stelle ein Kriterium sein. Alle Bewerber müssen nicht nur theoretisch, sondern auch in der Realität die gleichen Chancen haben. Das wird nur der Fall sein, wenn die Entscheidungsgrundlage auf einer anonymisierten Bewerbung beruht.

Der Antragder der Wählergruppe Pro Hamm sah vor, dass die Stadtverwaltung und ihre Tochtergesellschaften anonymisierte Bewerbungen einführen. Des Weiteren soll die Wirtschaftsförderung stärker als bisher u.a. Workshops und Fortbildungen anbieten, die die Diskriminierung bei der Personalsuche thematisieren und Arbeitgeber für die Thematik sensibilisieren.

Der Antrag wurde abgelehnt!

Euer Pro Hamm Team

Pro Hamm für anonymisierte Bewerbungen – gegen Alters-/Geschlechts-/Herkunftsdiskriminierung bei Bewerbungen

Die Wählergruppe Pro Hamm wird mit einem Antrag in der nächsten Ratssitzung das Thema Einführung anonymisierter Bewerbungen bei der Stadt Hamm auf die Tagesordnung setzen. Dr. Cevdet Gürle, Chef der Pro Hamm-Ratsgruppe und die integrationspolitische Sprecherin der Wählergruppe Nurcan Varol erläutern die Hintergründe und gehen auf die Motivlage ein: ,,Im Zeitraum 2010/11 führte die Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes ein Pilotprojekt zur anonymisierten Bewerbung durch. Am Pilotprojekt nahmen u.a. die Deutsche Post und die Stadtverwaltung von Celle teil. Sie haben in verschiedenen Beschäftigungsbereichen eingehende Bewerbungsunterlagen anonymisiert eingesehen. Wir fordern die Stadt Hamm, als größten Arbeitgeber vor Ort auf, dem Beispiel der Stadt Celle zu folgen und anonymisierte Bewerbungen einzuführen. Bei einem anonymisierten Bewerbungsverfahren werden auf Angaben wie Name, Geschlecht oder Herkunft verzichtet, so dass allein die Qualifikation der Bewerber die Grundlage für eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist. So werden nachweislich die Chancen insbesondere für Frauen, ältere Arbeitnehmer und Menschen mit Migrationshintergrund erhöht. Bei einer Anonymisierung herrscht tendenziell Chancengleichheit für alle Bewerbenden. Der Personalchef hat nicht die Möglichkeit nach einem kurzen Blick aufs Foto oder das Alter die Bewerbung auszusortieren. Im angelsächsischen Sprachraum ist der Verzicht auf persönliche Angaben in vielen Unternehmen schon lange üblich. Alle Organisationen, die anonymisierte Bewerbungen durchführen, berichten über positive Erfahrungen. Die positiven Effekte werden durch wissenschaftliche Studien bestätigt. Die Stadt Hamm hat die einmalige Möglichkeit als Kommune eine Vorreiterrolle in NRW zu übernehmen. Die anonymisierte Bewerbung ist ein gutes Instrument um mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen und es beugt gleichzeitig politischen Kungeleien und einer Stellenvergabe unter der Hand vor. Es gehört leider zur traurigen Wahrheit, dass rund die Hälfte aller Stellen im öffentlichen Dienst, ob diese nun Neubesetzungen oder Beförderungsstellen sind nur scheinbar offen ausgeschrieben werden. Diese Stellen sind hinter verschlossenen Türen bereits intern vergeben. Deswegen fordern wir, dass es weder eine Benachteiligung noch eine Bevorteilung geben gab. Weder darf die ethnische Herkunft oder das richtige Parteibuch für die Besetzung einer Stelle ein Kriterium sein. Alle Bewerber müssen nicht nur theoretisch, sondern auch in der Realität die gleichen Chancen haben. Das wird nur der Fall sein, wenn die Entscheidungsgrundlage auf einer anonymisierten Bewerbung beruht. Die Auswahlkriterien müssen für die Öffentlichkeit transparent und nachvollziehbar sein.“ Die Wählergruppe Pro Hamm will aber einen Schritt weitergehen und fordert nicht nur die Einführung von anonymisierten Bewerbungen bei der Stadt Hamm, sondern will darüber hinaus eine Internetplattform installieren, auf welche die Bürger die anonymisierten Bewerbungsunterlagen aufrufen können. Dr. Cevdet Gürle hierzu: ,,Ich würde mir wünschen, dass alle Stellenangebote der Stadt Hamm und der städtischen Tochterunternehmen zentral aufgelistet werden und gleichzeitig jeder Bürger die Möglichkeit hat auf die standardisierten Bewerbungsunterlagen zuzugreifen. Wir als Steuerzahler haben einen Anspruch darauf, dass bei der Stadt Hamm nicht diejenigen, die gut vernetzt sind, (Schalt-)Stellen besetzen, sondern wir wollen die bestqualifizierteste Person auf den jeweiligen Posten. Wir müssen wegkommen von der Mitnahmementalität, in der Stellen mit Parteifreunden besetzt werden. Wenn wir wollen, dass die Bürger sich nicht von der Politik abwenden, dann muss die Politik transparenter werden. Ein Schritt in diese Richtung wäre die anonymisierte Bewerbung.“

Wählergruppe PRO Hamm

Dr. Cevdet Gürle

Cevdet Bild 1

Nurcan Varol

Nurcan

Antidiskriminierungsstelle des Bundes reagiert alarmiert!

Bewerber werden diskriminiert

Türkischer Name bringt Nachteile

Fünf Bewerbungen muss ein Kandidat mit deutschem Namen im Durchschnitt schreiben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden – ein Mitbewerber mit türkischem Namen dagegen sieben, wie ein großangelegter Test zeigt. Schon bei ihrem ersten Schritt auf den deutschen Arbeitsmarkt werden Schüler mit türkischen Namen einer Studie zufolge diskriminiert. Bis sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden müssen sie mehr Bewerbungen verschicken als ihre Mitbewerber mit deutschen Namen und gleich gutem Schulabschluss, wie aus einer Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hervorgeht.

Für einen sogenannten Korrespondenztest wurden jeweils zwei Bewerbungen von Schülern deutscher Staatsangehörigkeit an insgesamt knapp 1800 Unternehmen geschickt, die Ausbildungsplätze als Kfz-Mechatroniker und als Bürokaufmann zu besetzen hatten. Die Bewerber waren beide überdurchschnittlich qualifiziert, einziger Unterschied: Einer der Bewerber hatte einen türkischen Namen, der andere einen deutschen.

Die Rückmeldungen fielen unterschiedlich aus und lassen auf eine Ungleichbehandlung schließen: Die Bewerber mit einem deutschen Namen erhielten demnach häufiger eine Antwort auf ihr Bewerbungsschreiben als diejenigen mit einem türkischen Namen. Jugendliche mit einem türkischen Namen wurden seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielten häufiger eine direkte Absage.

Wertvolles Potenzial geht verloren

Während Unternehmen beklagten, dass es nicht genug qualifizierte Bewerber gebe, bekämen jedes Jahr mehrere zehntausend Schulabgänger keinen Ausbildungsplatz, kritisierten die Wissenschaftler. Darunter seien überdurchschnittlich viele Jugendliche mit ausländischen Wurzeln, was nicht nur daran liege, dass sie schlechtere Noten als ihre Mitschüler mit deutschen Namen hätten, sondern auch an ihrer Benachteiligung an der „ersten Schwelle“ eines Bewerbungsprozesses. „Wenn qualifizierte Kandidaten nur deshalb nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, weil ihr Name ausländisch klingt, geht dem angespannten Ausbildungsmarkt wertvolles Potenzial verloren“, warnt die Studie.

Die Gründe für die Diskriminierung auf Seiten der Unternehmen seien vielfältig, erklärten die Forscher. Es gebe unbewusste Assoziationen, persönliche Vorurteile und oftmals darauf fußende Vorbehalte gegen die Einstellung eines Lehrlings mit ausländischen Wurzeln. Mancher Personalverantwortliche befürchte, dass Auszubildende mit türkischem Namen von Belegschaft oder Kunden nicht akzeptiert würden. Dabei komme Diskriminierung bei kleineren Unternehmen öfter vor als bei mittleren und großen Unternehmen.

Um Diskriminierung zu verhindern, sollten Ausbilder sensibilisiert und mehr Betriebsangehörige mit ausländischen Wurzeln in die Auswahl und Betreuung von Azubis eingebunden werden, empfiehlt die Studie. Wichtig sei zudem eine stärkere Anonymisierung von Bewerbungsverfahren. So könne eine kostenlose Software entwickelt werden, mit der auch kleinere Unternehmen Bewerbungen in anonymisierter Form entgegennehmen könnten. Mehr Kurzpraktika und Praxistage könnten ebenfalls die Chancen der Jugendlichen erhöhen. Außerdem müssten Politik und Wirtschaft mehr gegen Diskriminierung unternehmen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes reagierte alarmiert. „Die Studie belegt: Menschen mit Migrationshintergrund werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt nachweislich benachteiligt“, erklärte die Leiterin der Einrichtung, Christine Lüders. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollten deshalb stärker auf anonymisierte Bewerbungsverfahren setzen. „Deutschland kann es sich nicht erlauben, ganze Gruppen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vom Arbeitsmarkt fernzuhalten“, mahnte Lüders.

Quelle: n-tv.de , dpa

http://www.n-tv.de/ratgeber/Tuerkischer-Name-bringt-Nachteile-article12538681.html

Anonymisierte Bewerbung – Antidiskriminierungsstelle des Bundes unterstützt Pro Hamm –

Mit der Unterstützung aus Berlin von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) sind wir gewillt als Pro Hamm, mehr Chancengerechtigkeit bei Bewerbungen durch ein bereits erfolgreich durchgeführtes Projekt auch in unserer Stadt Hamm durchzusetzen. Niemand soll aufgrund seines Alters, seiner Herkunft, seines Geschlechts, seiner Religion benachteiligt werden, sondern es soll nur die Qualifikation zählen. Vor Allem fordern wir als Pro Hamm Transparenz bei öffentlichen Stellenvergaben, wo jeder Bürger einsehen kann, wer warum welche Stelle erhalten hat oder nicht erhalten hat. Nur so kann eine wirkliche Chancengerechtigkeit eingeführt werden und der „Vetternwirtschaft“ ein Riegel vorgeschoben werden.

 

Chancengleichheit