Umgang mit Wohnungslosen-, Drogen- und Straßenszene in Hamm

Wenn Sie im Zusammenhang von der Wohnungslosen-, Drogen- und Straßenszene in der Innenstadt von einer „Image-Frage“ für die Attraktivität der City sprechen, ist diese Äußerung nicht nur deplatziert, sondern steht im Widerspruch zum „sozialen“ Anspruch Ihrer Partei.

Wir als Stadtgesellschaft sind in der Pflicht und Verantwortung, die Menschen, die in einer sozial äußerst schwierigen Lebenslage sind, bestmöglich zu unterstützen und sie nicht auszugrenzen oder zu stigmatisieren.

Die gesellschaftlichen Negativfolgen der Corona-Pandemie treffen in erster Linie die Schwächsten in unserer Gesellschaft und dazu zählen, u.a. Menschen ohne eigene Wohnung, aber auch Suchtkranke, deren Zahl in den letzten 18 Monaten deutlich angestiegen ist. Die Sozialverbände in Hamm klagen seit Jahren, dass die Fallzahlen steigen und das System zu kollabieren droht, wenn nicht endlich entgegengewirkt wird. Die Politik gibt keine Antworten, wie diesen Menschen geholfen werden kann. Wir benötigen hier eine Umorientierung in der Arbeits- und Sozialpolitik, die die Zielsetzung hat, Prekariat zu vermeiden und Risikogruppen nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ Instrumente in die Hand zu geben, damit sie aus dem Teufelskreis ausbrechen können. Wir brauchen mehr Streetworker, die in den direkten Kontakt mit den Menschen treten und Lösungswege suchen. Hier müssen deutlich mehr kommunale Ressourcen investiert werden. Leider bleiben das Koalitionspapier und die bisherige Arbeit der Ampel-Regierung in dieser Frage deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Die SPD als Juniorpartner in der Großen Koalition hat das Projekt Kanalkante in den letzten Jahren stets uneingeschränkt unterstützt und kritische Einwände der Wählergruppe Pro Hamm, wie die Drogenszene im Nordring in die Neustrukturierung des Quartiers eingefügt werden kann, ausgeblendet. Des Weiteren wurden alle politischen Initiativen, z.B. eine innenstadtnahe Obdachlosen- bzw. Übernachtungsstelle von der Hammer SPD abgelehnt oder die Einführung eines Kälte-Shuttles erst nach massivem öffentlichem Druck umgesetzt. Die indirekte Forderung der Bezirksbürgermeisterin die Drogenszene im Nordring aufzulösen, geht an der Lebenswirklichkeit der betroffenen Menschen vorbei. Es löst kein einziges Problem und würde nur zu einer Verlagerung der Szene führen.

Die Wählergruppe Pro Hamm beantragt daher, dass die Bezirksvertretung Mitte die Stadtverwaltung auffordert in Absprache mit u.a. den Sozialverbänden einen mündlichen Sachstandsbericht zur Wohnungs-, Drogen- und Straßenszene in der Hammer Innenstadt zu geben. Auf dieser Grundlage können dann mögliche Handlungsempfehlungen aus der Politik und der Zivilgesellschaft an die Stadtverwaltung herangetragen werden.

Mit freundlichen Grüßen

Erol Gürle
Bezirksvertreter