„Wir brauchen einen politischen Neustart in Hamm“.

Interview mit dem Oberbürgermeister- und Spitzenkandidaten der Wählergruppe Pro Hamm Dr. Cevdet Gürle
Frage: Was motiviert Sie ehrenamtlich in der Kommunalpolitik aktiv zu sein?
Nicht meckern, sondern mitmachen. So lautet mein Leitmotiv. Eine lebendige Demokratie braucht Menschen, die bereit sind sich ehrenamtlich einzubringen. Ob dies nun im Bereich des Sports, der Kultur oder der Politik ist. Meine Motivation 2009 in die Kommunalpolitik einzutreten, war die Liebe zu meiner Stadt. Hamm ist meine Heimat. Es ist die Stadt, in der ich groß geworden bin und dementsprechend stolz sagen kann: Ich bin ein Hammer Kind. Ich habe Hamm und den Menschen, die hier leben viel zu verdanken. Ich wäre heute nicht da, wo ich bin ohne die vielen Menschen, die meinen Lebensweg gekreuzt haben.
So sehe ich es als eine Selbstverständlichkeit und als eine Bürgerpflicht an, teilzuhaben am politischen Leben, um die zahlreichen Anregungen und Vorstellungen aus der Bürgerschaft, die an mich herangetragen werden in konkrete politische Arbeit umzusetzen. Der tägliche Kontakt zu den Menschen vor Ort motiviert mich und gibt mir die Leidenschaft Kommunalpolitik zu betreiben.
Wir leben in einer Stadt der Widersprüche. Die soziale Ungleichheit hat sich in Hamm in den letzten zwanzig Jahren zementiert. Wir dürfen als Stadtgesellschaft nicht hinnehmen, dass die soziale Herkunft über den Status einer Person entscheidet.
Frage: Was zeichnet Sie aus?
Die Menschen, die um mich herum sind, würden mich wohl als jemanden beschreiben, der diszipliniert, weltoffen und mit einer gehörigen Portion Idealismus versehen ist. Ich glaube an die Menschen dieser Stadt. Die Menschen, denen ich tagtäglich begegne, sehen wie lebenswert und liebenswert unsere Stadt ist oder sein kann. Sie erkennen aber zugleich, dass es viele Baustellen gibt, die energischer angegangen werden müssen.
Ich bin ein kritischer Mensch und mit diesem Blick betrachte ich die Stadtpolitik und nehme auch keine Hand vor dem Mund. Manch einer mag es nicht gerne hören, wenn man Tacheles redet, aber Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit ist für mich das A und O in der lokalen Politik. Ich würde mich zugleich als hartnäckig bezeichnen. Das ist genau die Aufgabe einer konstruktiven Opposition. Jede Regierung mit Anfragen zu kontrollieren und mit Anträgen zu politischen Entscheidungen zu zwingen.
Frage: Wie werden Sie dem amtierenden Amtsinhaber entgegentreten?
Wir brauchen eine klare Vision wohin sich Hamm 2030 bewegen soll. Der Oberbürgermeister hat in den letzten 21 Jahren mit Sicherheit nicht alles falsch gemacht, aber die letzten zehn Jahre haben deutlich gemacht, dass Hamm bei Zukunftsthemen wie Mobilität, Umweltschutz, Digitalisierung oder Bildung immer noch im 20. Jahrhundert steckt. Wir müssen Probleme offen benennen und gemeinsam mit den Menschen in den Wohnquartieren, die ihre Stadt besser kennen als das Stadtoberhaupt, Lösungen entwickeln, die sich am Gemeinwohl orientieren.
Wir benötigen eine lebendige politische Debattenkultur, die leider unter der „Regentschaft“ von Hunsteger-Petermann stark gelitten hat. Widerspruch ist nicht erwünscht. Die politischen Gremien, ob nun die Ausschüsse, die Bezirksvertretungen oder der Rat sind zum reinen Abknickverein der Rathausspitze geworden. Ein Oberbürgermeister, der mehr als 20 Jahre an der Macht ist und in den letzten Jahren mit einer Dreiviertelmehrheit regiert hat, tut unserer Demokratie nicht gut. Wir brauchen einen politischen Neustart und der ist im System Hunsteger-Petermann nicht möglich.
Ein Oberbürgermeister muss gestalten, statt zu verwalten. Er muss Wege aufzeichnen, wie z.B. Bildungsungleichheiten abgebaut werden können. Hie reicht es nicht aus zu sagen: Alles ist gut. Besser wird es nicht! Meine Antwort darauf ist: Genug ist genug! Es ist Zeit, dass frischer Wind ins Rathaus einzieht und wir eine Politik bekommen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Kurze Vita
Ich bin 42 Jahre alt und in Werne geboren, lebe aber seit meinem dritten Lebensjahr in Hamm. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Meine Eltern kamen Ende der 1960er Jahre als sogenannte „Gastarbeiter“ aus der Türkei nach Deutschland. Mein Vater war über 30 Jahre im Bergbau tätig, zuletzt auf Heinrich-Robert. Ich habe fünf Geschwister. Ich bin das zweitjüngste Kind der Familie und habe noch eine Schwester und drei Brüder.
Nach dem erfolgreichen Ablegen des Abiturs 1998 am Märkischen Gymnasium und nach einem Wehrdienst als Sanitätssoldat im damaligen Bundeswehrkrankenhaus Hamm habe ich 1999 ein Studium in Politikwissenschaft, Alte Geschichte und Neuere und Neuestes Geschichte an der Universität in Münster begonnen. Nach Abschluss des Studiums 2003 habe ich im Anschluss direkt meine Promotion begonnen, die ich mit Abgabe der Doktorarbeit 2005 erfolgreich abschloss. 2005 wechselte ich von der Universität in den Schuldienst und stieg als sogenannter „Quereinsteiger“ in den Lehrerberuf ein. Ich unterrichte seitdem die Fächerkombination Sozialwissenschaften und Geschichte.
Ich bin seit meiner Kindheit tief verwurzelt in Hamm und bin bis heute in einem halben Dutzend Vereinen Mitglied und engagiere mich ehrenamtlich. Im Besonderen liegt mir der Sportverein Taekwondo Herringen e.V. am Herzen, den ich als Vorsitzender seit der Gründung 2007 leite.