Überprüfung von Straßenschildern?

In vielen Kommunen Deutschlands gibt es bis heute Straßennahmen, die an die „dunklen“ Seiten der deutschen Geschichte erinnern. Ob dies nun zum Beispiel eine Carl Peters Straße oder eine Herrmann von Wissmann Straße ist. Während „Nazigrößen“ nach der Befreiung durch Hitlerdeutschland aus den Straßenbezeichnungen verschwanden, stehen bis heute Straßennamen, die an die nationalistische oder imperialistische Politik des Deutschen Kaiserreichs erinnern in vielen Städten.

Das gilt auch für rund ein Dutzend Straßen in Hamm. Hier wären exemplarisch aufzulisten:
1. Die Sedanstraße, benannt nach der Entscheidungsschlacht im deutsch-französischen Krieg bei Sedan am 2. September 1870, der die Niederlage Frankreichs und den Sieg Preußens und seiner Verbündeten besiegelte. Sedan war in der Folge der Nährboden für ein übersteigertes Nationalbewusstsein der Deutschen, was sich unter anderem in alljährlichen „Sedanfeiern“ bis 1945 zeigte.
2. Die Straße Tannenberg ist benannt nach dem Ort, wo die 8. Armee unter der Generalität Hindenburg/Ludendorff 1914 die russische Narev-Arme schlug. Die Schlacht von Tannenberg war die Grundlage für das Entstehen des Personenkults um Paul von Hindenburg („Held von Tannenberg“), dem späteren Reichspräsidenten und Mit-Totengräber der Weimarer Republik.
3. Die Roonstraße ist benannt nach dem Kriegsminister und preußischen Feldherrn Albrecht Theodor Emil von Roon. Roon war ein Erfüllungsgehilfe der aggressiven und gegen „innere Reichsfeinde“ ausgerichteten Innenpolitik des Reichskanzlers Bismarck. So setzte er die Armee ohne zu zögern gegen das Volk ein, um das Entstehen demokratischer Ideen im Keim zu ersticken.

Weitere Namen in Hamm, die aufgelistet werden könnten, wären u.a. die Bismarckstraße, die Wilhelmstraße oder die Richthofenstraße. Da eine mögliche Umbenennung von Straßen oder die Ergänzung von Straßenamen, wo mit einer Hinweistafel auf den Namensgeber verwiesen wird, immer ein heißes Thema in den Gemeinden ist, ist es empfehlenswert diesbezüglich eine Expertenkommission zu bilden. Die Expertenkommission, die u.a. aus Mitarbeitern des Stadtarchivs, der Politik und der Zivilgesellschaft bestehen kann, prüft die Straßennamen in Hamm und gibt dem Rat und der Stadtverwaltung zeitnah eine Empfehlung, ob ein Straßenname geändert werden oder der Straßenzug eine Hinweistafel auf den Namensgeber erhalten sollte.

Wir finden im Besonderen, wenn man bedenkt, dass die Stadt Hamm bald ihr 800jährigen Bestehen feiern wird, es für wichtig, dass man sich stärker als bisher mit seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzt.

Der Antrag der Wählergruppe Pro Hamm wurde angenommen und der Antrag dem Stadtarchiv zur federführenden Weiterbearbeitung zugeleitet.

Dr. Cevdet Gürle
Sprecher / Ratsgruppe Pro Hamm
Wählergruppe Pro Hamm