Rassismus in städtischen Flüchtlingseinrichtungen: Was wusste die Rathausspitze?

Der Oberbürgermeisterkandidat und Sprecher der Wählergruppe Pro Hamm Dr. Cevdet Gürle zeigt sich über die ihm zugetragenen Missstände von Rassismus und Vetternwirtschaft im Ausländer- und Flüchtlingsamt schockiert.
Dr. Cevdet Gürle: ,,Die Missstände, die uns von Mitarbeiter*innen aus dem Ausländer- und Flüchtlingsamt und Flüchtlingen zugetragen wurden, sind schockierend und zeugen von einem Versagen der Rathausspitze. Hauswarte, die als Mitarbeiter der Stadtverwaltung in städtischen Flüchtlingseinrichtungen eingesetzt sind, haben aus ihrem Hass und ihrer rassistischen Einstellung gegenüber den Flüchtlingen keinen Hehl gemacht und sie mit menschenverachtenden Äußerungen und sexualisierter Gewalt traktiert. Hauswarte, die selbst eine Migrationsgeschichte haben und es wagten Nein zu diesem Apparat der Erniedrigung zu sagen, wurden von ihren Kollegen*innen nicht nur gemobbt, sondern selbst zum Opfer eines rassistischen Umfelds. So wurden uns Videos zugeleitet, die u.a. zeigen wie Mitarbeiter der Verwaltung, die bis heute noch bei der Stadt angestellt sind, belustigt zuschauen, wie zwei Schwarzafrikaner sich prügeln. Hauswarte, die nicht mehr bereit waren, zu schweigen, haben die Missstände an die Sachgebietsleitung und die Amtsleitung weitergeleitet. Die Amtsleitung hat die Ernsthaftigkeit der Thematik nicht erkannt, personelle Konsequenzen nicht zeitnah vollzogen und als diese getroffen wurden, waren diese nur halbherzig.
Die Hauswarte, die es wagten die Atmosphäre des Schweigens zu brechen, wurden massiv unter Druck gesetzt, nichts davon in die Öffentlichkeit zu tragen. Nachdem auch die weiteren Schritte, u.a. die Einschaltung des Personalamts und des Personalrats, aber auch ein Brief an den Oberbürgermeister, der persönlich im Büro des Oberbürgermeisters abgegeben wurde, weitgehend ergebnislos blieben und einige Mitarbeiter ihren Rassismus in den Flüchtlingseinrichtungen weiterhin ausleben konnten, trat man hilfesuchend an uns. Die Zustände im Amt für Ausländer und Flüchtlinge sind in keiner Form entschuldbar. Hier trägt der Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann als Verwaltungschef nicht nur die politische, sondern auch die personelle Verantwortung. Er hat als Oberbürgermeister, wie auch die Führungselite der Verwaltung versagt. Was wir hier sehen, ist zugleich ein Ergebnis von 21 Jahren CDU-geführte Stadtregierung mit einem Oberbürgermeister an der Spitze, der sich für unfehlbar hält und mit der damit verbundenen Betriebsblindheit eine Mitverantwortung an dem Rassismus und der Vetternwirtschaft im Flüchtlingsamt trägt.
Der Oberbürgermeister sollte dementsprechend auch personell Konsequenzen ziehen und seine Kandidatur zurückziehen und sich in den politischen Ruhestand verabschieden. Wir brauchen endlich einen politischen Neustart in Hamm und der ist mit einem Oberbürgermeister Hunsteger-Petermann nicht möglich. Die Kritik an der Stadtverwaltung ist nicht als pauschale Kritik zu verstehen. Der Gros der Mitarbeiter*innen macht eine exzellente Arbeit, aber sie alle leiden unter einer Führungskultur, die autoritär ist und andere Meinungen nicht akzeptiert.“
Dr. Cevdet Gürle
OB-Kandidat / Sprecher
Wählergruppe Pro Hamm