Gleiche Chancen für alle? Nicht erwünscht!

Nachrichten aus der Hammer Politik …

Gleiche Chancen für alle? Nicht erwünscht!

Die CDU/SPD-Stadtregierung sagen, unterstützt von der FDP und der Linke NEIN zur Einführung von anonymisierten Bewerbungen

Weiß, männlich, Elite – so lautet das Fazit vieler nationaler und internationaler Studien, die sich mit der Zusammensetzung des Führungspersonals in Unternehmen auseinandersetzen. Wir sind leider noch weit davon entfernt die Unterrepräsentanz von z.B. Frauen, Migranten oder älteren Arbeitnehmern in Unternehmen und nichts anderes ist die Stadt Hamm als größter Arbeitgeber in unserer Kommune, aufzubrechen.

Wir möchten an dieser Stelle, u.a. auf die Studie „Diskriminierung am Arbeitsmarkt“ verweisen, in der empirisch festgehalten wurde, dass ein Bewerber mit einem typisch deutschen Namen im Schnitt fünf Bewerbungen schreiben muss bis er eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält, aber ein Bewerber mit einem türkischen Namen mindestens sieben Bewerbungen absenden muss, um dasselbe Ergebnis zu erlangen. Ich bringe es pointiert auf den Punkt: Tim schlägt Ali! Das ist ein Dauerzustand, der nicht hinnehmbar ist und den wir als Stadtgesellschaft entgegentreten müssen. Hier sind wir alle in der Pflicht, auch und im Besonderen die Politik und die Stadtverwaltung.

Für die Rathausspitze ist selbstverständlich allein die Eignung und die Leistung eines Bewerbers die Grundlage für die Einstellung ist. Nun, dann sei folgende Frage erlaubt: Ist das ein reiner Zufall, dass zwar nur rund 4 Prozent aller Bundesbürger Mitglied in einer Partei sind, aber knapp 20 Prozent aller Hausmeister, Mitarbeiter in den Schulsekretariaten oder in einem kommunalen Energieversorger ein Parteibuch haben oder einer Partei zu mindestens nahe stehen?

Kommunen in Deutschland, aber auch Großunternehmen, die international tätig sind, greifen zunehmend auf das Instrument sogenannter anonymisierter Bewerbungen zurück. Bei einem anonymisierten Bewerbungsverfahren werden auf Angaben wie Name, Geschlecht oder Herkunft verzichtet, so dass allein die Qualifikation der Bewerber*innen die Grundlage für eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch ist. So werden nachweislich die Chancen insbesondere für Frauen, ältere Arbeitnehmer und Menschen mit Migrationsgeschichte erhöht. Bei einer Anonymisierung herrscht tendenziell Chancengleichheit für alle Bewerbenden. Der Personalchef hat nicht die Möglichkeit nach einem kurzen Blick aufs Foto oder das Alter die Bewerbung auszusortieren. Im angelsächsischen Sprachraum ist der Verzicht auf persönliche Angaben in vielen Unternehmen schon lange üblich. Alle Organisationen, die anonymisierte Bewerbungen durchführen, berichten durchweg über positive Erfahrungen. Die anonymisierte Bewerbung ist ein gutes Instrument um mehr Chancengerechtigkeit zu erreichen und es beugt gleichzeitig politischen Kungeleien und einer Stellenvergabe unter der Hand vor. Weder darf die ethnische Herkunft oder das richtige Parteibuch für die Besetzung einer Stelle ein Kriterium sein. Alle Bewerber müssen nicht nur theoretisch, sondern auch in der Realität die gleichen Chancen haben. Das wird nur der Fall sein, wenn die Entscheidungsgrundlage auf einer anonymisierten Bewerbung beruht.

Der Antragder der Wählergruppe Pro Hamm sah vor, dass die Stadtverwaltung und ihre Tochtergesellschaften anonymisierte Bewerbungen einführen. Des Weiteren soll die Wirtschaftsförderung stärker als bisher u.a. Workshops und Fortbildungen anbieten, die die Diskriminierung bei der Personalsuche thematisieren und Arbeitgeber für die Thematik sensibilisieren.

Der Antrag wurde abgelehnt!

Euer Pro Hamm Team