Versorgungsquote der Hausärzte in Hamm ist unzureichend

Erol Gürle, gesundheitspolitischer Sprecher der Ratsgruppe Pro Hamm und selbst niedergelassener Allgemeinmediziner widerspricht der Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung, die von einer positiven Entwicklung spricht und den Ist-Zustand für gut bewertet.

Erol Gürle: ,,Die Kassenärztliche Vereinigung weigert sich ihre Hausaufgaben zu machen. Die Messzahlen beruhen auf der Annahme, dass die Menschen im Ruhrgebiet und dazu zählt die Stadt Hamm gesünder seien und somit insgesamt eine geringere Dichte an Hausärzten benötigen. Aktuelle Studien widerlegen diese Annahme und zeigen das genaue Gegenteil, dass das Landleben gesünder sei, als das Leben in den Großstädten. Das gilt im Besonderen für urbane Zentren, die industriell geprägt sind und wo bis heute die Industriearbeit einen hohen Stellenwert einnimmt. Das trifft u.a. auf die Stadt Hamm zu. Die Messzahl, dass ein Hausarzt für 2000 Einwohner ausreichend ist, wird in keiner Weise der Wirklichkeit gerecht. Hier müsste die Relation ein Hausarzt auf maximal 1600 Einwohner gelten. Davon sind wir in Hamm leider noch weit entfernt.

Ein weiteres Problem bringt die Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung erst gar nicht zum Vorschein. Hamm ist eine relativ große Flächenstadt, das bedeutet aber nicht, dass die Summe der Hausärzte gleichmäßig auf die einzelnen Stadtbezirke verteilt ist. Wir haben eine starke Konzentration in der Innenstadt, aber teilweise eklatante Versorgungslücken in den einzelnen Sozialräumen, wie z.B. dem Hammer Westen, aber auch in Heessen. So musste im vergangenen Jahr ein Hausarzt in Heessen seine Praxis schließen, da er trotz jahrelanger Suche keinen Nachfolger finden konnte. Das freigewordene Patent kann zwar von einem Neumediziner erworben werden. Das bedeutet aber nicht, dass der neue Hausarzt sich zwangsläufig in Heessen niederlassen muss. So kann er sich auch für die Innenstadt oder beispielsweise Uentrop entscheiden. Die mangelhafte gleichmäßige Verteilung der Hausärzte stellt im Besonderen für ältere Menschen und Familien, die häufig nur eingeschränkt mobil sind, ein zunehmendes Problem dar.

Die Problematik wird sich, wenn das St. Josef-Krankenhaus mit seiner gut-frequentierten Notfall-Ambulanz schließt, massiv für die nördlichen Stadtbezirke verschärfen und eine umfassende medizinische Versorgung im Sinne der Patienten wird ausgehöhlt.“

Erol Gürle
Gesundheitspolitischer Sprecher
Wählergruppe Pro Hamm