Ist das Zusammenleben von „Deutschen“ und „Neu-Deutschen“ gescheitert?

,,Ich bin geschockt über den hohen Zuspruch der AfD, einer Partei, die völkisches Gedankengut predigt und ihre Vertreter die nationalsozialistische Vergangenheit verklären und mit einem Hass auf Muslime auf Wählerfang gehen“, so Dr. Cevdet Gürle, Fraktionsvorsitzender der Wählergruppe in der Bezirksvertretung. Dr. Cevdet Gürle weiter: ,,Dass die AfD in einem Stadtbezirk, der schon immer ein Schmelztiegel der verschiedenen Kulturen und Nationen gewesen ist, ihr stadtweit bestes Ergebnis erreichen konnte, muss alle demokratischen Kräfte aufhorchen lassen. So ist es für mich persönlich schmerzhaft, dass die AfD im Isenbecker Hof, der alten Bergbaukolonie und dem Wohnquartier, in dem ich aufgewachsen bin, 19,39 Prozent der Stimmen holen konnte. Hier wirft sich zwangsläufig die Frage auf: Ist das Zusammenleben von „Deutschen“ und „Neu-Deutschen“ gescheitert oder wie erklärt sich sonst das starke Abschneiden einer rechten Partei in einem multikulturellen Stadtbezirk?

Wenn man die Ergebnisse der Europawahl herunterbricht auf die kommunale Ebene, so kann man erkennen, dass die AfD insbesondere in den Stadtbezirken, wo die SPD in der Vergangenheit unangefochten ihre Hochburgen hatte – Herringen und Bockum-Hövel – ihre höchsten Werte erreicht. Wir konnten bereits bei der Landtags- und Bundestagswahl eine substanzielle Wählerwanderung feststellen, in der besonders viele Bürger aus dem sozialen Milieu der Arbeiterschicht, die eher traditionell „links“ wählen, ihr Kreuz nicht mehr bei der SPD, sondern der AfD gemacht haben. Die SPD in Hamm, aber im Besonderen die Herringer SPD musste einen drastischen Einbruch hinnehmen. Im Boxsport würde man sagen, das war ein technisches K.O..

Die demokratischen Parteien müssen diese Wählerschichten mit einer bürgernahen Politik zurückgewinnen. Es müssen deutlich mehr finanzielle Ressourcen dem Stadtbezirk Herringen zur Verfügung gestellt werden, um Initiativen und Projekte zur Stärkung des interkulturellen Lebens und um eine Erziehung zur demokratischen Selbstbestimmtheit zu ermöglichen. Hier muss die Politik im Rathaus endlich gegensteuern, damit die AfD bei den Kommunalwahlen 2020 nicht in die Bezirksvertretungen und den Stadtrat einzieht und damit an den Grundfesten unserer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft rüttelt.“

Dr. Cevdet Gürle
Fraktionsvorsitzender
Bezirksfraktion Herringen
Wählergruppe Pro Hamm