Bezirksvorsteher Alewelt hält Integration für gescheitert

,,Es ist eine Bankrotterklärung, wenn der Bezirksvorsteher der Partei, die seit fünf Jahrzehnten die politische Mehrheit im Stadtbezirk stellt, kundtut, dass Integration gescheitert sei“, so Dr. Cevdet Gürle, Fraktionsvorsitzender der Wählergruppe Pro Hamm in der Bezirksvertretung Herringen und bezieht sich in seiner Stellungnahme auf eine Interviewäußerung des Bezirksvorstehers. Dr. Cevdet Gürle weiter: ,,Wir sind in der Integration- und Migrationspolitik in Deutschland und in Hamm-Herringen deutlich weiter und erfolgreicher als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren. Der Stadtbezirk war mit Beginn der Industrialisierung immer schon ein Schmelztiegel für Zuwanderer, die sich in Herringen zumeist erfolgreich eine neue Zukunft aufbauten.

2019 sind Menschen mit einem sogenannten Migrationshintergrund sichtbarer als 1999 und das ist auch gut so. Natürlich entstehen Konflikte und Kontroversen, wenn ethnische Minderheiten mit einer neuen Selbstverständlichkeit sich in ihrem Handeln nicht allein auf die Pflichten, die ihnen die Mehrheitsgesellschaft zuweist beschränken, sondern auch auf ihre Rechte in einer offenen Gesellschaft pochen. Wenn der SPD-Bezirksvorsteher Integration als gescheitert sieht, dann verneint er die Zugehörigkeit der Menschen mit einer Migrationsgeschichte zu Herringen.

Ich empfehle Herrn Alewelt die Augen zu öffnen. Die Herringer Mitbürger, die Wurzeln in Griechenland, der Türkei, in Russland oder wo auch immer haben, engagieren sich für den Stadtbezirk und bringen Herringen nach vorne. Ob das nun der türkeistämmige Hausarzt ist oder die vielen Migranten, die in der Pflege arbeiten oder in den Fördervereinen der Schulen ehrenamtlich tätig sind. Die abwertende Äußerung des Bezirksvorstehers ist eine Ohrfeige für all diese Menschen, die schon längst Hamm und Deutschland als ihre Heimat betrachten. Der Gros der Mehrheitsgesellschaft ist offen für die Migranten und das ist ein positives Signal für alle Zuwanderer.

Das möchte ich an einem persönlichen Beispiel verdeutlichen. Als ich als neu gewählter Bezirksvertreter 2009 als Mitglied der Bezirksvertretung zu einem Schützenfest eingeladen wurde, wurde ich von einigen mit den Worten empfangen – ich glaube, du bist hier falsch! Zehn Jahre später, 2019 höre ich diese Worte nicht mehr und fühle mich nicht ausgegrenzt. Das unterstreicht, welchen Weg wir im gesellschaftlichen Zusammenleben in einer relativ kurzen Zeit erfolgreich zurückgelegt haben. Wenn der SPD-Bezirksvorsteher das nicht erkennt, dann ist er in seiner Gedankenwelt leider noch im 20. Jahrhundert verfangen.“

Dr. Cevdet Gürle / Fraktionsvorsitzender
Bezirksfraktion Herringen / Wählergruppe Pro Hamm