Verbindliche Grundschulempfehlungen? Nicht mit uns!

Die Wählergruppe Pro Hamm kritisiert auf Schärfste Überlegungen der schwarzgelben Landesregierung die verbindlichen Grundschulempfehlungen für die weiterführenden Schulen wiedereinzuführen. Dr. Cevdet Gürle macht unmissverständlich klar: ,,Die Wiedereinführung der verbindlichen Grundschulempfehlungen, die nach vielen Jahren des Elternprotests, aber auch von Bildungsexperten, 2011 abgeschafft wurden, wäre ein drastischer Rückschritt ein Mehr an gleichwertiger und gleichberechtigter Bildungsteilhabe in Nordrheinwestfalen umzusetzen. Wir haben bis heute, und das verdeutlichen alle Studien, wie jüngst die 21. Sozialerhebung, eine hohe soziale Selektivität im Bildungssystem. Der Ausspruch: „Leistung wird belohnt“ ist nicht falsch, aber bildet das Gesamtbildung nicht vollständig ab. So hängen Leistungsunterschiede maßgeblich vom Sozialisationsmilieu ab, aber auch leistungsunabhängige soziale Kriterien wirken im Schulsystem ausgrenzend. Um es auf den Punkt zu bringen: Leistungsstarke Unterschichtenkinder bringen es im Bildungssystem nicht einmal so weit wie leistungsmittelmäßige Kinder aus oberen Schichten. Dieses Grundübel konnte man im Besonderen bei den verbindlichen Grundschulempfehlungen erkennen. Hier ist die Wahrscheinlichkeit eines Kindes von einer Akademikerfamilie eine Empfehlung für das Gymnasium zu erhalten trotz desselben Leistungsbildes 3,7fach höher als bei einem Arbeiterkind. Wir erkennen hier deutlich leistungsfremde soziale Filter, die in Form eines Bildungstrichters wirken mit dem Ergebnis, dass nicht die Leistung eines Kindes seinen Schulstatus bestimmt, sondern das Elternhaus. So ist es nicht verwunderlich, dass bei den Grundschulempfehlungen in der Vergangenheit Akademikerkinder klar dominierten, da die Lehrerschaft dieser Zielgruppe, auch wenn das Leistungsbild in der Grundschule nicht „gymnasial“ war aufgrund des „bildungsnahen“ Elternhauses zutraute das Abitur zu schaffen wohingegen ein Kind aus dem Arbeitermilieu trotz „gymnasialer“ Leistungen in der Grundschule in der Regel keine Empfehlung für das Gymnasium erhielt. Eine Rückkehr zu den verbindlichen Grundschulempfehlungen würde zur einer Verfestigung der Bildungsungleichheiten führen – im Besonderen Maße auch in Hamm.“

Dr. Cevdet Gürle
Ratsgruppe Pro Hamm
Wählergruppe Pro Hamm