Medienkritik erlaubt?

Auf ein offenes Wort Herr Andreas Wartala,

erstmal möchte ich Danke sagen im Namen der Wählergruppe Pro Hamm für Ihren Kommentar an einem Osterwochenende und die damit verbundene kostenfreie „Werbung“.

Nun, wenn ich Ihren Kommentar kritisch reflektiere, sollten einige Anmerkungen möglich sein. Ich würde Ihnen empfehlen, dass Sie sich die Zeit nehmen und die Berichterstattung der Wählergruppe zu verschiedenen politischen Themenfeldern konkret anschauen. Das geht relativ simpel, in dem Sie hier auf Facebook oder auf der Homepage der Wählergruppe unsere Mitteilungen lesen. Dann sollten Sie erkennen, dass wir klare Positionen beziehen zu Themen, die in unserer Stadt „Baustellen“ sind: ungleiche Entwicklung der Stadtbezirke/Wohnquartiere, Soziale Armut, Bildungsungleichheiten, Entwicklung der Innenstadt, desaströse Natur- und Umweltpolitik, Aussitzen von Problemen (Stichwort Feuerwehr!), Geschiebe von Posten und Pöstchen und vieles mehr. Hierzu finden Sie, wenn ihr Wissensdurst nicht gestillt sein sollte, noch flankierend Anträge und Anfragen der Wählergruppe, um genau diese Themen in die politische Öffentlichkeit zu tragen. Das sollte Ihre Frage nach einem „Kompass“ beantworten können.

Man kann sehr wohl eine „effektive Oppositionsarbeit“ trotz einer Großer Koalition im Rathaus durchführen. Dafür bieten die Hammer CDU und SPD mehr als genügend Angriffsflächen (siehe oben Baustellen!).

Ihr Vorwurf 1: Wir als Wählergruppe würden gerne ,,skandalisieren“ und über die „Stränge“ schlagen und das muss kritisch bewertet werden. Als Opposition muss man nicht konform mit der „Stadtregierung“ sein. Das ist nicht der Sinn einer politischen Opposition. Sie können diesbezüglich den Begriff auch bei Wikipedia nachschlagen, in der die Bedeutung detailliert erläutert wird. Vielleicht mögen Sie es gutheißen oder es als normal ansehen, wenn Stellen im „System Hunsteger“ mit scheinbar verdienten „Parteisoldaten“ besetzt werden. So halten wir die „Ernennung“ von einem Thomas Jörrißen (CDU) zum Geschäftsführer der HGB, einer städtischen Tochtergesellschaft und sein Drängen auf Bonuszahlungen von der er als Person am stärksten profitiert hätte selbstverständlich „skandalös“. Oder ein Jörg Heggemann (ebenfalls CDU), der vom Schuldezernenten auf die Stelle des Geschäftsführers der Stadtwerke wechselt und sich über mehr als 300 000 Euro Jahresbruttogehalt freuen kann, aber bis heute beim Thema Gasbohren keinen Fehler eingesteht und für den eingefahrenen Millionenverlust lieber die Mitarbeiter „bluten“ lässt. So wurden und werden 60 Personalstellen gestrichen, um fünf Millionen einzufahren. Ist das kommentarlos hinzunehmen? Ein letztes Fallbeispiel: Wenn die Große Koalition gezielt Anträge der Opposition, und dabei ist es unwichtig, ob diese von Pro Hamm oder der Linkspartei kommen, von der Tagesordnung streichen lässt, ist das keine kritische Berichterstattung im Westfälischen Anzeiger wert?

Ihr Vorwurf 2: Der Fragekatalog zum Thema „Umbau- und Ausbau der Stadtwerke-Zentrale“ ist Humbug. Die Ratsgruppe Pro Hamm hat nicht das Recht eine Anfrage zu stellen, da es einen Aufsichtsrat gibt, der für die Kontrolle der Stadtwerke zuständig ist. Haben Sie sich überhaupt die Mühe gemacht mit meiner Person oder Herrn Isenbeck über diese Anfrage beziehungsweise dieses Thema zu reden bevor Sie eine persönliche Stellungnahme abgeben? Dann wird Ihr Kommentar noch flankiert von einem Zeitungsbericht, in der der Hammer CDU-Chef Arnd Hilwig im scheinbaren Tandem Ihnen zuspielt. Ein Hammer Bürger mit dem ich über die Berichterstattung gesprochen habe, hat es gut auf dem Punkt gebracht: Einfach nur peinlich! Seine Botschaft: Für wie dumm halten Sie eigentlich uns Bürger?

Die Intention unserer Anfrage sollte eigentlich offen sein. Wir möchten, dass das Thema unabhängig von möglichen „Verschwiegenheitsverpflichtungen“ im Aufsichtsrat in die Öffentlichkeit getragen wird. Natürlich war der Umbau und Ausbau der Stadtwerke-Zentrale ein Thema im Aufsichtsrat, aber und das ist zu mindestens unsere Sichtweise sollten die Stadtwerke Hamm, die eine 100prozentige Tochter der Stadt Hamm sind keine „Black Box“ sein. Die Bürger haben das Recht zu erfahren, ob und in welcher Form es zu „Mehrausgaben“ kam. Immerhin müssen die Hammer Bürger das, u.a. mit höheren Ticketpreisen wieder einholen. Nun, um es auf den Punkt zu bringen Herr Wartala: Wir stellen als Pro Hamm Fragen! Sie tun es nicht, sondern spielen mit ihrem Kommentar bewusst oder unbewusst der Rathausspitze und der CDU und SPD in die Hände. Das sollte nicht der Anspruch eines Qualitätsjournalismus sein.

Dieses offene Wort an Sie soll nicht als Pauschalkritik an den Westfälischen Anzeiger verstanden werden. Ich kenne und schätze die Arbeit vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lokalzeitung. Sie machen eine sehr wichtige Arbeit, die um so wichtiger in Zeiten einer Großen Koalition ist. Dennoch sollte Kritik, wie überall im Leben möglich sein. Da eine solche Kritik nicht als Leserbrief in der Lokalzeitung abgedruckt werden kann, machen wir das über diese Plattform und mit der Schaltung einer Werbung können wir auf den Weg 20 000 bis 30 000 Hammer Bürger erreichen.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Cevdet Gürle
Vorsitzender
Wählergruppe Pro Hamm