Aufstockung der Youcard

Die Wählergruppe Pro Hamm zeigt sich wenig überrascht über die Ergebnisse einer Auswertung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zum Bildungs- und Teilhabepaket in den Kommunen, wo Hamm einen Spitzenplatz einnimmt. Die Wählergruppe hatte bereits im September mit einer Anfrage die Zahlen für Hamm von der Stadtverwaltung auflisten lassen.

Erol Gürle, Mitglied im Sportausschuss, sieht hingegen noch einige Baustellen, die bisher von der schwarzroten Stadtregierung nicht angegangen wurden: ,,So muss die Bearbeitungszeit der Anträge zügiger funktionieren. Das läuft teilweise schleppend und dauert öfters Monate bis die Betreffenden eine Rückmeldung erhalten. Die Familien können in der Zeit der Antragsbearbeitung nur eingeschränkt die Leistungen der YouCard nutzen. Wenn wir die Verwendung der YouCard für Hamm näher untersuchen, so kann man erkennen, dass im Besonderen der Bereich Mittagsverpflegung stark von den Antragsberechtigten genutzt wird. Hingegen spielt die sogenannte Leistung „Bedarfe zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft“ nur eine untergeordnete Rolle. Die Schlussfolgerung dieser Zahlen darf nicht sein, dass Kinder und Jugendliche die Mittagsverpflegung dem Sportverein vorziehen, sondern dass sie aufgrund der maximal zur Verfügung stehenden 10 Euro im Monat schlichtweg keine Alternative haben. Die Antragsberechtigten müssen sich entscheiden: Wollen sie mit der YouCard eine Mittagsverpflegung in der Schule gesichert haben oder Sport im Verein betreiben. Beides geht hingegen nicht und darin besteht das größte Dilemma der YouCard. Der Satz von 10 Euro monatlich wurde seit Einführung des Bildungs- und Teilhabepakets nicht mehr den allgemeinen Kostensteigerungen angepasst und ist, um eine wirkliche Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, viel zu niedrig angesetzt. Wenn den Antragsberechtigten ein Satz von Minimum 20 Euro im Monat zur Verfügung ständen, so könnten die Kinder- und Jugendlichen neben dem Leistungskatalog für die Schule auch die Angebote der sozialen und kulturellen Teilhabe deutlich stärker nutzen. Untersuchungen des Sportverhaltens zeigen eindeutig, dass Kinder und Jugendliche aus Familien mit einem niedrigen Einkommen geringer in Sportvereinen aktiv sind. Wenn wir diese Zielgruppe verstärkt für den organisierten Sport – auch in Hamm gewinnen wollen, muss die Stadt mehr Engagement in der Sache zeigen. Der Ist-Zustand mit den 10 Euro sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Er ist gut gemeint, aber ist kein großer Wurf für die Familien. Hier muss eindeutig nachgebessert werden. Dass die Bundesregierung kurzfristig die Gelder für das Bildungs- und Teilhabepaket aufstockt, ist eher unwahrscheinlich. Wenn wir die gesellschaftliche Integration von Familien, die auf ergänzende Sozialleistungen angewiesen sind, ernsthaft verbessern wollen, dann müssen wir das Bildungs- und Teilhabegesetz mit einer kommunalen Komponente verstärken und dazu gehört auch notfalls städtisches Geld in die Hand zu nehmen. So könnte die Stadt die „Bedarfe zur Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben in der Gemeinschaft“ durch eine freiwillige Leistung um weitere 10 Euro, auf dann 20 Euro monatlich aufstocken. Dass wäre ein zweckgebundenes Instrument, um Kinder, die von Armut betroffen sind, stärker am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen.“

Die Wählergruppe Pro Hamm plant die Anregung als Antrag im Rahmen der Verabschiedung des Doppelhaushalts 2019/20 einzubringen.

Erol Gürle
Mitglied im Sportausschuss
Wählergruppe Pro Hamm