Städtische Vergabe der Schulwegtickets gleicht einer Diskriminierung finanzschwacher Familien

Die Wählergruppe Pro Hamm kritisiert scharf die Handhabe der Stadt bei der Ausstellung von Schulwegtickets. ,,Hier wird auf den Rücken von Kindern und ihren Familien gespart“, so Dr. Cevdet Gürle, Sprecher der Ratsgruppe Pro Hamm. Dr. Cevdet Gürle weiter: ,,Die Stadtverwaltung begründet ihr Handeln mit der Schülerfahrtkostenverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen. Jedes Jahr werden rund 500 Anträge negativ beschieden. Die Eltern dieser Kinder haben dann die Alternative, entweder übernehmen sie die Kosten einer Fahrkarte, die sich auf rund 500 Euro im Jahr belaufen oder sie entscheiden sich gegen die Wunschschule und melden ihr Kind an der wohnortnahen Schule an. Wir haben also auf der einen Seite, seit Aufhebung der Grundschulbezirke in der Theorie eine freie Auswahl der Eltern für ihre Kinder in den Schulen des Primar- und Sekundarbereichs, aber in der Praxis wird diese theoretische Annahme konterkariert, da die freie Auswahl nicht unmerklich vom Geldbeutel der Eltern abhängt. So ist es nicht verwunderlich, wenn man eine Bertelsmann-Studie hinzuzieht, dass die freie Grundschulwahl die soziale und ethnische Trennung an den Grundschulen und weiterführenden Schulen verstärkt hat. Als Fallbeispiel: Eine finanzschwache Familie im Hammer Westen wird ihr Kind zwangsläufig an einer Schule im Wohnquartier anmelden. Diese Familien sind in der Regel weniger mobil und bleiben meist in ihrem Wohnbezirk. Der Sozialstatus der Schule spielt für diese Eltern bei der Schulwahl eine untergeordnete Rolle. Vor allem Eltern aus der Mittelschicht nehmen die freie Schulwahl in Anspruch. Eltern aus der sozialen Oberschicht machen davon hingegen seltener Gebrauch, da sie meist bereits in sozial homogenen Einzugsbereichen wohnen. Die Familie also, die im selben Wohnquartier wohnt, aber über genügend finanzielle Ressourcen verfügt, wird ihr Kind an Schulstandorte in „privilegierten“ Wohnquartieren einschulen. Die Folge ist, dass es in einzelnen benachteiligten Sozialräumen zu einer starken Schülerabwanderung kommt. Hier muss die Stadt Hamm, um die negativen Folgeerscheinungen der Verordnung entgegenzusteuern, aktiv werden. Eine Option wäre die Installierung eines Sondertopfes, aus denen Kinder von Elternhäusern, die unter einem festgesetzten Jahresbruttoeinkommen liegen entgeltfrei oder zu mindestens kostengünstig eine Schülerfahrkarte bekommen. Denn nur so haben die Eltern, wenn wir eine Wahlfreiheit für alle wollen, überhaupt die Möglichkeit ihre Kinder auf eine Schule ihrer Wahl zu schicken und sie müssen sich nicht aufgrund der fehlenden Mobilität zwingend für eine Schule im Wohnbezirk entscheiden.“

Dr. Cevdet Gürle
Ratsgruppe Pro Hamm
Wählergruppe Pro Hamm