Sanierungsfall Innenstadt seit Jahren bekannt und ignoriert

Die Wählergruppe Pro Hamm sieht die Entwicklung der Innenstadt, insbesondere die Situation an der Oststraße kritisch. Adrian Brosterhues-Niedziolka, wirtschaftspolitischer Sprecher der Wählergruppe Pro Hamm, sieht in der verfehlten Wirtschaftspolitik der Großen Koalition eine Mitverantwortung an der prekären Lage der Innenstadt. Adrian Brosterhues-Niedziolka: ,,Die Stadt Hamm hat vor gut zwei Jahren ein Gutachten zum Zustand der City vorgestellt, in der man ablesen konnte, dass die Innenstadt ein Sanierungsfall ist. Heute zwei Jahre später müssen wir uns die Frage stellen, welche Rückschlüsse hat die Große Koalition aus dem Innenstadtgutachten gezogen und welche Maßnahmen wurden umgesetzt. Die Bilanz auf diese Frage ist ernüchternd. Die Entwicklung der Oststraße, in der die Zahl der inhaberbetriebenen Geschäfte drastisch zurückgegangen und zugleich ein deutlicher Anstieg an Leerständen zu verzeichnen ist, unterstreicht, dass die CDU/SPD-Stadtregierung kein Konzept zur Reaktivierung der Innenstadt hat. Wenn man die Eröffnung des städtischen Büros zur Innenstadterneuerung an der Oststraße, das ganze zwei Tage in der Woche für je fünf Stunden offen hat, als großen Erfolg feiert, zeigt das die ganze Hilflosigkeit der Rathausspitze. Eine Stärkung der Innenstadt wird man nur erreichen, wenn man die richtigen Weichenstellungen legt. So ist es ein großes Problem, dass sich die Kaufkraft im Einzelhandel stark auf das Allee-Center fokussiert und die Geschäfte an der Weststraße und der Oststraße dadurch das Nachsehen haben. Deswegen empfehlen wir, dass man eine oberirdische Anbindung zwischen dem Allee-Center und der Ritterpassage ermöglicht. Der Brückenschlag wäre sowohl eine deutliche Aufwertung der Ritterpassage und würde zugleich die Besucherströme aus dem Einkaufszentrum verstärkt in die Weststraße weiterleiten. Wenn man darüber hinaus die Aufenthaltsqualität der Weststraße und der Oststraße zum Beispiel durch mehr grün und Sitzmöglichkeiten erhöht, könnte man die Kundschaft in diesem Bereich weiter steigern. Ein strukturelles Problem, dass alle Maßnahmen konterkariert, ist die relativ niedrige Kaufkraft in Hamm. Wenn man die Kaufkraft mittelfristig nicht steigern kann und das gehört auch zur Wahrheit, dann werden alle Maßnahmen nicht fruchten. Man kann den Euro schließlich nur einmal ausgeben. Deswegen benötigen wir eine Neuausrichtung der Wirtschaftsförderung, in der wir endlich eine Industriepolitik haben, die für einen Ausbau gut bezahlter Arbeitsplätze sorgt, statt weiterhin nur den Niedriglohnbereich auszubauen.“ Nihat Altun, Mitglied der Bezirksvertretung Mitte für die Wählergruppe, ergänzt die Ausführungen und betont die Bedeutung der Südstraße für eine Gesamtkonzeption der Reaktivierung der Innenstadt. Nihat Altun: ,,Die Attraktivität der Südstraße hat in den letzten Jahren gelitten. Wenn wir die Südstraße als Gastronomiemeile erhalten und stärken wollen, dann sollte man sich als Instrument über eine Erweiterung der Fußgängerzone an der Südstraße Gedanken machen. Wir befürworten eine partielle, das heißt eine zeitlich begrenzte Erweiterung der Fußgängerzone. Im Konkreten bedeutet das, dass die bisher an den Wochenenden gültige Regelung der Sperrung der Südstraße zwischen Ostenwall und Martin-Luther-Straße für den Autoverkehr auf alle Wochentage übertragen werden soll. Diese Regelung soll Gültigkeit haben im Zeitraum vom 01.04. bis zum 30.09. von jeweils 18:00 Uhr bis 06:00 Uhr. So hätte man aus unserer Sicht eine Win-win-Situation, indem man den Durchgangsverkehr nicht gänzlich ausgesperrt und so eine Anlieferung an die Geschäfte ermöglicht. Dies würde zeitgleich die abendliche Außengastronomie stärken und damit die Aufenthaltsqualität an der Südstraße zwischen Ostenwall und Martin-Luther-Straße erhöhen. Wenn wir die niedrige Aufenthaltsqualität in der Innenstadt beklagen, aber nichts tun, um neue Wege zu gehen, dann brauchen wir uns auch nicht wundern, dass viele Hammer Bürgerinnen und Bürger es vorziehen, zum Feiern nach Münster oder Dortmund zu fahren“

Adrian Brosterhues-Niedziolka
Wirtschaftspolitischer Sprecher
Wählergruppe Pro Hamm

Nihat Altun
Bezirksvertreter Mitte
Wählergruppe Pro Hamm