Pressemitteilung bezüglich dem Vorschlag der Bildungsministerin die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund in deutschen Schulklassen zu begrenzen

Die Wählergruppe Pro Hamm hält den Vorschlag der Bundesbildungsministerin Wanka (CDU) die Zahl von Kindern mit einem sogenannten Migrationshintergrund pro Klasse zu begrenzen für einen wichtigen Diskussionsanstoß, der deutlich macht, dass an vielen Schulen in Deutschland, aber auch in Hamm die Rahmenbedingungen des Lehrens suboptimal sind. Dr. Cevdet Gürle, Sprecher der Ratsgruppe Pro Hamm kommentiert den Vorschlag wie folgt: ,,Ich möchte zunächst verweisen auf eine Studie der Bertelsmann Stiftung, das am Fallbeispiel der Stadt Müllheim an der Ruhr zum Ergebnis gekommen ist, dass die Aufhebung der Grundschulbezirke und die freie Auswahl der Grundschule für Eltern die soziale und ethnische Trennung an den Grundschulen verstärkt hat. Diese Erkenntnis kann auf die Stadt Hamm übertragen werden. So erleben wir, dass Kinder aus einer sozialen Schicht bereits während der Grundschulzeit unter sich bleiben. Das ist das Ergebnis, wenn Eltern, die über ausreichend finanzielle Ressourcen verfügen und zum Beispiel ein Monatsticket für den öffentlichen Nahverkehr kaufen können ihr Kind nicht an einer Grundschule in Pelkum, sondern in Rhynern anmelden oder Kinder nach der Grundschule in Herringen nicht die nahgelegene Friedrich-Ebert-Realschule, sondern die Konrad-Adenauer-Realschule, ebenfalls in Rhynern, besuchen. Diese Schülerabwanderung verschärft die soziale Schieflage an einzelnen Schulstandorten zusehends. Die politischen Entscheidungsträger in der Großen Koalition sind sich der Problematik bewusst, versagen aber in der Frage, wie das massive Bildungsgefälle in unserer Stadt abgebaut und ein Mehr an Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit erreicht werden kann. Die Studie der Bertelsmann Stiftung hält fest, dass Eltern mit einem niedrigen Bildungsstatus und Eltern mit einem Migrationshintergrund häufiger eine nahegelegene Grundschule wählen. Diese Familien sind in der Regel weniger mobil und bleiben meist in ihrem Wohnbezirk. Der Sozialstatus der Schule spielt für diese Eltern bei der Schulwahl eine untergeordnete Rolle. Vor allem Eltern mit mittlerem Sozialstatus nehmen die freie Schulwahl in Anspruch. Eltern mit hohem Sozialstatus machen davon seltener Gebrauch, da sie meist in sozial homogenen Einzugsbereichen wohnen. Eine Quotierung, wie es die Bundesbildungsministerin vorschlägt, ist sinnvoll, aber in einer Stadt wie Hamm, wo die Hälfte der Kinder im Kindergarten einen Migrationshintergrund hat nicht realisierbar. Wenn wir Bildungsungleichheiten abbauen wollen, dann muss die CDU/SPD-Stadtregierung endlich weg vom Gießkannenprinzip und eine bedarfsgerechte Ressourcenverteilung vornehmen. Bildungsbenachteiligte Kinder in Schulen in sozialen Brennpunkten sind auf ein qualitativ gut ausgestattetes Schulumfeld angewiesen. So müssen den Grundschulen, die in einem sozial schwierigen Umfeld arbeiten deutlich mehr Ressourcen zugewiesen werden. Das bedeutet zum Beispiel, dass solche Schulen feste Sozialarbeiter erhalten, dass diese Schulen eine bessere Raumausstattung bekommen, um einen zieldifferenten Unterricht zu ermöglichen und das die Klassenstärke bei maximal 20 Schülern liegt. Des Weiteren muss das Konzept der Schülerwegtickets umgebaut werden, damit Schüler aus finanzschwachen Familien die Möglichkeit bekommen ein kostenfreies oder zu mindestens ein kostengünstiges Ticket zu erhalten. Denn nur so haben die Eltern, wenn wir eine Wahlfreiheit für alle wollen, überhaupt die Möglichkeit ihre Kinder auf eine Schule ihrer Wahl zu schicken und sie müssen sich nicht aufgrund der fehlenden Mobilität zwingend für eine Schule im Wohnbezirk entscheiden. Des Weiteren muss die Große Koalition der Erstellung eines sogenannten ,,schulbezogenen Sozialindexes“ zustimmen. Wir benötigen quantifizierte schulscharfe Sozialindices, um eine gerechte und systematische Förderung und Unterstützung von Schulen mit sozial höchst ungleichen Ausgangslagen zu ermöglichen. Die unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe der Schulen müssen präzise aufgedeckt und Ungleiches ungleich behandelt werden. Es ist aber bezeichnend für die Bildungspolitik der Hammer SPD und CDU, dass sie einen Antrag der Wählergruppe auf Erstellung eines schulbezogenen Sozialindexes im Rat 2016 abgelehnt haben.“

Dr. Cevdet Gürle
Ratsgruppe Pro Hamm
Wählergruppe Pro Hamm