Pressemitteilung bezüglich dem Stillschweigen der Hammer Landtagskandidaten zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Die Wählergruppe Pro Hamm reagiert verwundert auf die Tatsache, dass die heimischen Landtagskandidaten bisher mit keinem Wort den Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der alle vier Jahre vorgestellt wird, kommentiert haben geschweige denn die Schlussfolgerungen des Berichts auf die kommunale Ebene herunterbrachen. Nurcan Varol, sozialpolitische Sprecherin der Ratsgruppe Pro Hamm hält fest: ,,Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung bilanziert, dass das Wohlstandsgefälle in Deutschland sich verschärft hat. Wer reich ist, wurde reicher und wer arm war, blieb nicht nur arm, sondern wurde ärmer. Die Schere zwischen der sozialen Schicht der Wohlhabenden und der Schicht, die in Armut lebt, hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten verstetigt. Die Erkenntnisse des Armuts- und Reichtumsbericht können und müssen auf Hamm übertragen werden. Wenn man dies tut, erkennt man hier ein massives Gefälle unter den Stadtbezirken, welches sich u.a. an der Kaufkraft und dem Bildungsgrad messen lässt. Wir haben auf der einen Seite, und das betrifft insbesondere auf den Hammer Westen und Norden zu Armenghettos und auf der anderen Seite vorzugsweise in Uentrop und Rhynern Wohlstandsquartiere, die die Spaltung der Stadtgesellschaft in „Winner-Looser“ verdeutlicht. Die Große Koalition versagt in der Frage, wie auch die schwarzgelbe Vorgängerregierung, wie man ein Mehr an Chancengleichheit erreichen kann. So sollte es für alle Beteiligten beschämend sein, dass in einer Wohlstandsgesellschaft Kinder in Armut leben müssen und ihnen Teilhabe unmöglich gemacht wird. Davon ist insbesondere die Gruppe der Alleinerziehenden betroffen.  Die CDU, SPD und die FDP, die in den letzten 17 Jahren Regierungsverantwortung getragen haben und tragen, glänzen nicht durch eine präventive und nachhaltige Sozialpolitik, sondern vielmehr aufgrund des Fehlens einer eben solchen. Wenn zum Beispiel Personalressourcen im Bereich der sozialen Arbeit kontinuierlich zurückgefahren werden mit der Folge, dass die Politik, die Bildungs- und sozialen Einrichtungen mit ihren Problemen alleine lassen, darf es niemanden verwundern, dass die soziale Schieflage in der Stadtgesellschaft nicht vermindert, sondern verfestigt wird. Der Armuts- und Reichtumsbericht verdeutlicht, dass das ein gesamtgesellschaftliches Problem ist, welches aber in Hamm aufgrund einer defizitären Sozialpolitik noch stärker ausgeprägt ist. Der Politik sind die sogenannten Risikogruppen, die verstärkt von Armut betroffen sind bekannt, aber die politischen Verantwortungsträger zögern hier notwendige Ressourcen zu investieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, um die strukturellen Probleme anzugehen. Unter dem Strich kann man festhalten, dass der Armutsbericht ein Armutszeugnis, auch und insbesondere für die regierenden Parteien in Hamm ist.“

Nurcan Varol
Sozialpolitische Sprecherin
Ratsfrau Pro Hamm