Kinder in Obhut des Jugendamtes

Sehr geehrte Frau Vorsitzende,

bundesweit übernehmen Jugendämter zunehmend die Obhut von Kindern und Jugendlichen. Die Gründe dafür sind sehr vielfältig, so sei unter anderem auch die Zuwanderung ein Grund für mehr Inobhutnahmen. Durch diese Zunahme an hilfsbedürftigen Kindern und Jugendlichen entsteht gleichsam auch ein Mehr an Arbeit für die einzelnen Jugendämter. In diesem Zusammenhang würden wir gern in Erfahrung bringen, ob das Jugendamt in Hamm dieser Aufgabe gerecht wird bzw. zurzeit überhaupt gerecht werden kann. Daher bitten wir die Stadtverwaltung um die Beantwortung folgender Fragen:

 

  1. Welche Gründe gibt es für eine Inobhutnahme von Kindern durch das Jugendamt? Haben sich diese Gründe in den letzten fünf Jahren verändert? (Häufigkeit der einzelnen Gründe bzw. Hinzukommen völlig neuer Gründe) Wenn ja, inwiefern konkret?
  2. Auf wie viele Mitarbeiter kommen wie viele hilfsbedürftige Kinder und Jugendliche? Es wäre hilfreich, wenn Sie dieses Verhältnis für die letzten fünf Jahre darstellen könnten.
  3. Wie ist dieses Verhältnis verglichen mit anderen Kommunen ähnlicher Größe zu werten?
  4. Reicht die Zahl an Mitarbeitern des Jugendamtes Hamm aus, um den Kindern und Jugendlichen in Obhut tatsächlich eine dem Kindeswohl adäquate Hilfe zukommen zu lassen?
  5. Wie viele dieser hilfsbedürftigen Kinder werden auch psychologisch betreut?
  6. Wie viele neue Mitarbeiter wurden pro Jahr in den letzten fünf Jahren im Jugendamt neu eingestellt, die sich explizit der Betreuung der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen widmen. Waren die Personen, die eingestellt wurden, tatsächlich ausreichend qualifiziert, um ihre Aufgabe dem Kindeswohl entsprechend erfüllen zu können? Wenn ja, welche Qualifikationen sind es, die explizit erwartet werden? Spielen auch empathische Fähigkeiten eine Rolle bei der Auswahl neuer Mitarbeiter und mit welchem Verfahren wird das Vorhandensein empathischer Fähigkeiten im Vorfeld bei potentiellen Bewerbern überhaupt überprüft? Oder ist diesbezüglich einzig und allein ein gutes Zeugnis ausschlaggebend?
  7. Wie verteilt sich die Zahl hilfsbedürftiger Kinder und Jugendliche, die in Obhut des Jugendamtes leben, auf die einzelnen Stadtteile?
  8. In welchem Zustand befinden sich diese Kinder vorwiegend? Gibt es mehr Opfer von körperlicher oder psychischer Gewalt? Hat sich das Verhältnis von beiden Gruppen in den letzten fünf Jahren verändert bzw. ist diesbezüglich eine Tendenz abzuleiten?
  9. Wie werden diese Kinder und Jugendlichen in der Regel untergebracht? Sind die Räumlichkeiten derart ausgestattet, dass eine individuelle Entfaltung und eine Verarbeitung von psychischen und körperlichen Gewalterfahrungen gewährleistet ist?
  10. Wie lange verbleiben Kinder und Jugendliche im Durchschnitt unter Obhut des Jugendamtes? Kann prozentual dargestellt werden, wie viele der Kinder letzten Endes wieder zu ihren Familien zurückkommen und wie viele andererseits der Obhut von Pflegefamilien übergeben werden? Was geschieht mit dem Rest? Verbleiben diese bis zur Volljährigkeit in Heimen?
  11. Was kostet die Betreuung und Unterbringung eines Kindes oder Jugendlichen im Durchschnitt pro Monat? Ist diese Summe ausreichend, um das Wohl eines Kindes zu gewährleisten? Erfolgt eine Art von Nachbetreuung, nachdem Kinder aus der Obhut des Jugendamtes entlassen wurden? Wenn ja, in welcher Form und über welchen Zeitraum?
  12. Sind der Stadtverwaltung Studien bekannt, die untersuchen, welche Auswirkungen eine Inobhutnahme eines Kindes auf dessen zukünftiges Leben hat? Falls ja, welche konkret? Falls nein, wurde diesbezüglich noch nie recherchiert?Mit freundlichen GrüßenNurcan Varol
    Ratsfrau
    Wählergruppe Pro Hamm