Gesundheitsatlas für die Stadt Hamm

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

seit Jahrzehnten nehmen Umweltbelastungen durch giftige oder allgemein gesundheitsschädliche und oder umweltgefährdende chemische Stoffe, etwa aus Schadstoffen aller Art, Reizstoffen, Allergenen, aber auch als Schallemission (Lärm), Lichtemission oder Erschütterungen (Straßenverkehr), im Land und so auch in Hamm stetig zu. Hinzu kommen Altlasten, verursacht durch den Bergbau und weiteren Industrien, Wilden Deponien, giftigen Müllkippen, Bodenkontaminierung (Altöl …) … die in der Vergangenheit in und um Hamm angesiedelt waren. Mensch und Natur sind betroffen.

Der jüngst vom Regionalverband Ruhr veröffentlichte Umweltbericht ist daher einseitig. Immerhin bietet der Umweltbericht einen Ansatz, die Bürger im Stadtteil Rhynern vor Lärmemissionen zu schützen und hier tätig zu werden. Möglicherweise mit Unterstützung des Landes NRW.

Der uns vorliegende Umweltbericht (1) der Stadt Hamm (als Auftraggeber) zur Aufstellung eines Flächennutzungsplanes der Stadt Hamm von 2008 kann ebenfalls hinzugezogen werden. Der Umweltbericht (2) ist jedoch veraltet und wurde mit der Zielsetzung „Flächennutzung“ (u.a. Bauflächen zu eruieren) angelegt.

Die Wählergruppe Pro Hamm sieht Belastungen in allen Stadtbezirken gesundheitsschädliche oder umweltgefährdende Belastungen für Mensch und Natur. Um die gegenwärtige Situation besser beurteilen zu können, bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Gibt es für Hamm (alle Stadtbezirke) Untersuchungen, Erhebungen, Berichte … die Rückschlüsse zulassen, wie belastet Mensch und Natur in den Stadtbezirken sind? Hier sind Differenzen in der durchschnittlichen Lebenserwartung der Bürger (Vergleich der Stadtbezirke untereinander), die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen, Allergien, Krebserkrankungen und weitere Erkrankungen, die möglicherweise mit zu Umweltbelastungen in Verbindung gebracht werden können, von Bedeutung.

Als weitere Parameter, um sich ein Bild von den Umweltbelastungen in Hamm zu machen, könnten Flora und Fauna dienen: Baumsterben, Bodenbelastungen (hier besonders durch den Bergbau und die Landwirtschaft), unter Einbeziehung der Population (zahlenmäßige Erfassung) und pathologische Befunde von Vögel, Insekten, Fische, Amphibien etc. (im zeitlichen Vergleich, sofern es ältere Aufzeichnungen gibt) können als Indikatoren für Umweltbelastungen (Umweltgifte) dienen. Nicht zuletzt die Belastung von stehenden und fließenden Gewässer (Lippe, Ahse, Geithe, Geinegge, Kanal, Baggersee, Radbodsee …). Wo möglich, immer im Vergleich zu den jeweiligen Stadtbezirken als direkten Vergleich und zur besseren Orientierung. Als weiteren Indikator und um die Gesamtsituation besser beurteilen zu können, könnte eine weitere Stadt (zum Beispiel die Stadt Krefeld) zum Vergleich herangezogen werden.

  1. Wenn es bereits derartige Erhebungen gibt, wollen wir um Einsichtnahme bitten. Ggf. gibt es bereits Stellungsnahmen, Bewertungen, bzw. Hinweise die Rückschlüsse auf einen Handlungsbedarf zulassen. Sollten es Stellungsnahmen, Bewertungen, bzw. Erklärungen zum Handlungsbedarf geben, bitten wir hier ebenfalls um Einsichtnahme.
  2. Der Gesundheitsatlas NRW gibt mit 59 Gesundheitsindikatoren Auskunft über Umweltbelastungen. Lässt der Gesundheitsatlas Rückschlüsse über Umweltbelastungen in Hamm zu und weiterhin, besteht für das Land NRW und für die Kommune Handlungsbedarf? Möglicherweise wurde bereits auf den Gesundheitsatlas NRW reagiert, bzw. es gab Unterstützung bei der Bewältigung von Problemen durch Umweltbelastungen (Lärmschutzwände …). Hier bitten wir um eine Liste der bereits eingeleiteten, bzw. geplanten Maßnahmen von 2007 bis 2017 und ggf. darüber hinaus.

Langfristig möchte die Wählergruppe Pro Hamm anregen, einen „Gesundheitsatlas Stadt Hamm“ zu erstellen. Mit einem städtischen Gesundheitsatlas lassen sich Umweltbelastungen aber auch die Folgen für Mensch und Natur differenzierter und transparent für die Bürger darstellen. Hier sehen wir auch die Schaffung von Umweltbewusstsein beim Bürger als Ziel. Schließlich sind verbunden mit dem Schutz der Umwelt oder der Bürger vor gesundheitsschädigenden Einflüssen immer auch finanzielle Aufwendungen verbunden, die leichter akzeptiert werden, wenn die Bürger in die Entscheidungsprozesse mit einbezogen oder zumindest über die Notwendigkeiten informiert werden.

Mitgliedszahlen in Sportvereinen und Nutzung der Angebote der Volkshochschule reflektieren u.a., dass Gesundheitsbewusstsein der Bürger einer Stadt. Sie bieten gleichzeitig Anhaltspunkte, wo gegengesteuert, wo unterstützt werden soll. Bedingt durch den engen finanziellen Spielraum der Kommune, darf auf keinen Fall am Bedarf vorbeigeplant werden. Auch hier hilft ein Gesundheitsatlas Ansätze für politisches Handeln zu finden. Die Ergebnisse könnten Ansatzpunkte liefern, wie und wo sich die Kommune in Zukunft stärker engagieren sollte. Wie sich der „Gesundheitsstandort Hamm“ sich an den Bedürfnissen der Bürger in Zukunft orientiert. Weiterhin ob Kooperationen mit Krankenkassen, Sportvereinen, Vereine etc. und möglicherweise stärker wie zuvor unterstützt werden können.

Hier möchten wir ganz konkret eine Befragung der Bürger in den Stadtbezirken anregen. Ziel soll es sein, eine subjektive Beurteilung des persönlichen aber auch gefühlten Gesundheitszustandes und erweitert, der persönlichen Einschätzung der Umweltbelastung erfahren. Beispielhaft für die Erstellung eines Gesundheitsatlas kann die Stadt Krefeld sein, die dazu auch eine Bürgerbefragung durchgeführt hat.

  1. Zieht die Stadtverwaltung die Erstellung eines ,,Gesundheitsatlas Stadt Hamm“ in Betracht? Wenn nicht, welche Argumente sprechen aus Sicht der Stadtverwaltung gegen eine Erstellung?
  2. Zieht die Stadtverwaltung eine Befragung der Bürger in den Stadtbezirken in Betracht, um eine subjektive Beurteilung des persönlichen aber auch gefühlten Gesundheitszustandes zu ermitteln? Wenn nicht, welche Argumente sprechen aus Sicht der Stadtverwaltung gegen eine Befragung?
  3. Ist der Stadtverwaltung der Gesundheitsatlas der Stadt Krefeld bekannt? Wenn ja, kann diese Modell aus Sicht der Verwaltung auf Hamm übertragen werden?

 

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Cevdet Gürle                                                                                                   Nurcan Varol
Ratsherr                                                                                                                Ratsfrau

Wählergruppe Pro Hamm