Anfrage an den Rat der Stadt Hamm bezüglich der Arbeit der Volkshochschule im Sachgebiet „Deutsch als Fremdsprache“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

mittlerweile hat die Volkshochschule seit zwei Monaten das Ruder im Sachgebiet Deutsch als Fremdsprache übernommen. Unter der VHS sollte ja eigentlich alles besser werden und doch lässt sich diese mögliche „Verbesserung“ leider nicht belegen, da es offenbar nicht möglich ist, die aktuellen Zahlen mit denen unter der Führung des Kommunalen Integrationszentrums aussagekräftig zu vergleichen.

In diesem Zusammenhang bitten wir die Stadtverwaltung um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Wieso ist die Erfassung beziehungsweise die nachträgliche Eingabe der von vom Kommunalen Integrationszentrums übergebenen Daten derart zeitintensiv? Ist dies auf die Menge der Daten, der Komplexität des neuen Systems oder auf eine möglicherweise zu geringe Mitarbeiterzahl zurückzuführen?
  2. Inwiefern hindert die Verzögerung bei der Eingabe früherer Daten die VHS daran, Auskünfte über aktuelle Daten wie beispielsweise erfolgreiche Abschlusszahlen zu geben?
  3. Für das breitgefächerte Angebot legen derzeit rund 500 Anmeldungen vor. Wie ist der Vorwurf zu werten, dass diese Zahl geschönt sei, da der Bereich der Alphabetisierungskurse dazugezählt wurde, obwohl dieser nicht zum Bereich Deutsch als Fremdsprache gehöre? Wenn man diese Kritik als gerechtfertigt erachtet, kann dann die „reale“ Zahl von 300 Anmeldungen wirklich als Erfolg verstanden werden?
  4. Wie ist es begründen, dass es für die wichtigste Niveaustufe für Flüchtlinge, das Sprachniveau B 1, nur noch einen angebotenen Deutschtest gibt, wenn doch gerade der daran gebundene Sprachabschluss die Grundlage dafür bildet, dass Flüchtlinge als Asylbewerber anerkannt werden? Ist in diesem Fall nicht gerade diese Niveaustufe somit ein elementarer Grundstein auf dem Weg zu einer gelungenen Integration?
  5. Aus welchen Gründen wird komplett auf das Angebot der Sprachniveaustufe C1 verzichtet? Gab es diesbezüglich ein zu geringes Interesse in Form mangelnder Anmeldungen oder spielten andere Überlegungen wie die Fokussierung auf die elementaren Grundkurse eine Rolle, die zur Streichung der Niveaustufe führte? Wenn es gänzlich andere Gründe waren, welche konkret?
  6. Laut der Aussage von Bernd Lammers gibt es manche Kurse in denen ausschließlich Teilnehmer mit BAMF-Berechtigung sind? Wie kommt es dazu? Werden in diesen Kursen tatsächlich nur Teilnehmer mit BAMF-Berechtigung aufgenommen oder ergibt sich dieser Umstand aus den Anforderungen an die Teilnehmer?
  7. Wenn die in Frage 6 konkretisierten Kurse tatsächlich nur für Teilnehmer mit BAMF-Berechtigung vorgesehen sind, stellt sich uns die Frage, ob die VHS dazu angehalten wurde, derartige Kurse in dieser Form anzubieten?
  8. Wie viele Teilnehmer können maximal an einem Kurs mit BAMF-Berechtigung teilnehmen? Wie groß war die Zahl der Anmeldungen für diese Kurse und wie groß ist die Zahl der tatsächlichen Teilnehmer?
  9. Hat der erhöhte Verwaltungsaufwand in Folge der Umstellung auf das Online-Anmeldeverfahren eventuell negativen Einfluss auf andere Arbeitsbereiche, wie beispielsweise die unter Frage 1 genannte Dateneingabe? Welche Kosten sind durch die Umstellung entstanden?
  10. Sind die relativ niedrigen Anmeldezahlen möglicherweise darauf zurückzuführen, dass es keine Alternative zur Online-Anmeldung mehr gibt? Da gerade viele ältere Menschen eher wenig mit moderner Technik anzufangen wissen, wäre es interessant zu erfahren, ob sich seit der Einführung des Online-Anmeldeverfahrens auch die prozentualen Teilnehmerzahlen pro Altersgruppe verändert haben. Können Sie diese Zahlen bitte in Erfahrung bringen und wenn möglich, tabellarisch aufbereiten, damit die Relationen zwischen Teilnehmeralter, den unterschiedlich angebotenen Kursen und den tatsächlichen Teilnehmerzahlen besser ersichtlich werden?
  11. Gibt es bereits Pläne, den neu entstanden Verwaltungsaufwand zu reduzieren? Wenn ja, welche Pläne konkret und wann ist mit einer Umsetzung dieser Pläne zu rechnen?
  12. Kann bereits abgesehen werden, wann es erste Statistiken gibt, die einen exakten Vergleich des Integrationserfolgs unter VHS-Obhut mit jenen unter Führung des Kommunalen Integrationszentrums ermöglichen?

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. Cevdet Gürle                                                                 Nurcan Varol
Ratsherr                                                                               Ratsfrau

Wählergruppe Pro Hamm