Mal was anderes – eine Buchempfehlung

Rezension zum Buch ,,Zertifizierung als Erfolgsfaktor“ (hrsg. von Rainer Friedel und Edmund A. Spindler)

Das vorliegende Buch „Zertifizierung als Erfolgsfaktor“ wurde von Rainer Friedel (Berlin) und Edmund A. Spindler (Hamm) herausgegeben und ist im Mai 2016 im Springer Gabler Verlag erschienen. Beide Herausgeber zählen gleichzeitig zu der beachtlichen Zahl fachkundiger Autoren, die dieses Sachbuch erst möglich gemacht haben. Die Expertise der einzelnen Autoren steht bereits nach wenigen Seiten außer Frage – hier wird dem Interessierten ganz klar aufbereitetes Expertenwissen angeboten. Die Beiträge sind fachlich fundiert geschrieben und lassen sich flüssig lesen.

Zunächst wird der geneigte Leser behutsam an die Thematik herangeführt, indem die Wichtigkeit und der Nutzen von Zertifizierungen herausgestellt werden. Sie dienen jedem, der sie zu verstehen weiß, als Konformitätsbestätigung für Qualitätsparameter. Mit anderen Worten geben Zertifizierungen uns allen bereits heute Sicherheit bei der Bewältigung von alltäglichen Arbeitsabläufen, bei der Beurteilung von komplexen Sachverhalten oder ganz schlicht und einfach als Ratgeber, z.B. in Sachen Ernährung. „Die Herausgeber und Autoren des Buches möchten dazu beitragen, die Grundlagen für die Zertifizierungen von Produkten, Dienstleistungen und Managementsystemen in den Handlungsfeldern Nachhaltigkeit, Ökologie, Klimaschutz und Lebensmittelsicherheit zu beschreiben.“ (zitiert aus der Einleitung)

In einem der ersten Kapitel wird der Frage nachgegangen, weshalb der WWF die Entwicklung und Umsetzung von Zertifikaten unterstützt. Die Autorin kommt in ihren Ausführungen schnell auf den Punkt und schildert die Dringlichkeit von Naturschutzmaßnahmen und eben auch den Sinn von Zertifizierungen, die sowohl einerseits nationale wie internationale Vergleichbarkeit schaffen und andererseits, durch staatlich verordnete Limitierungen, selbst Großkonzerne in die Schranken zu weisen vermögen. Aber bereits ab den nächsten Kapiteln erfahren wir, dass Zertifizierungen ebenso auch Arbeiternehmern wie auch Arbeitgebern sinnhaft erscheinen. Gerade in der Industrie ist ein Großteil der betrieblichen Abläufe ohne Zertifizierungen kaum noch zu stemmen. Aber ist dies nicht ein Widerspruch in sich, wenn Interessengruppen mit völlig konträren Ansichten glauben, dass sie die Gegenseite mit genau jenen Mitteln bekämpfen können, die ihre Kontrahenten für sich entdeckt haben und ebenso volltönig darauf schwören?

Mitnichten! Es zeigt nur wie umfassend die Bedeutung der Zertifizierungen für die heutige globalisierte Welt geworden ist. Was dem Buch jedoch eine ganze besondere Einzigartigkeit verleiht, ist der Umstand, dass versucht wurde, möglichst viele, der an den Zertifizierungsprozessen beteiligten Gruppen (sogenannte Stakeholdergruppen) zu Wort kommen zu lassen und erstmals einen Blick auf die Metaebene der Zertifizierung wagt. Dadurch wird das Werk gleichsam facettenreicher in seinen Aussagen und malt ein viel feineres Bild der tatsächlichen Welt als alle vorangegangenen Werke zu diesem Thema. Zumindest im deutschsprachigen Raum habe ich bislang nichts vergleichbar Hochwertiges gefunden. Die Einblicke, die einem dieses Buch bietet, gehen insbesondere mit den gesellschaftspolitischen Aussagen weit über die eigentliche Thematik hinaus. Daher möchte ich dieses Buch dem Fachpublikum, aber auch jedem interessierten Bürger, der sich mit der Materie auseinandersetzen will, wärmstens empfehlen.

Dr. Cevdet Gürle
Vorsitzender
Wählergruppe Pro Hamm