schule2

GroKo sollte ehrlich mit den Zahlen umgehen!

Die Wählergruppe Pro Hamm kommentiert in einer Stellungnahme die Schulstatistik 2014/15 und relativiert die „Lobpreisung“ der Realschulen durch die Stadtregierung und die Hammer FDP. Der schulpolitische Sprecher der Ratsgruppe Pro Hamm Dr. Cevdet Gürle kommentiert das Zahlenwerk wie folgt: ,,Ein „Run“ auf die Realschulen kann von den aktuellen Zahlen nicht abgeleitet werden. Im Gegenteil, die Tendenz ist hier eindeutig und zeigt, dass die Realschulen zunehmend um Schüler kämpfen müssen. Besuchten im Schuljahr 2008/09 noch 3752 Schüler eine Realschule, waren es im Schuljahr 2014/15 mit 3392 Schülern der niedrigste Wert seit mehr als 15 Jahren. Das sind in absoluten Zahlen 360 Schüler weniger beziehungsweise ein Rückgang um rund zehn Prozent. Das ist allein durch einen allgemeinen Rückgang der Schülerzahlen nicht zu erklären. Die Realschule scheint in der Elternschaft nicht mehr die Attraktivität zu haben, wie es noch vor zehn Jahren der Fall gewesen ist. Hingegen finden die Zahlen für das integrative Schulsystem in der öffentlichen Diskussion kaum Beachtung. Die Gesamtschulen weisen zum Schuljahr 2014/15 insgesamt 2457 Schüler auf. Damit bewegen sich die Gesamtschulen seit Jahren auf ein konstant hohes Niveau. Wenn man die 254 Schüler der Sekundarschule in Herringen miteinrechnet, so kommen wir auf eine Gesamtzahl von 2711 Schülern, die eine integrative Schule besuchen. Im Schuljahr 2005/06 waren es „nur“ 2385. Das ergibt ein Plus von 326 in absoluten Zahlen und eine prozentuelle Steigerung von mehr als zehn Prozent. Wenn man noch bedenkt, dass in den letzten 15 Jahren aus ideologischen Gründen mehr als 1000 Schüler von den Gesamtschulen abgelehnt wurden, dann kann man eher von einem „Run“ auf das integrative Schulsystem sprechen. Die Zahlen sind nicht überraschend, decken sie sich doch mit den Ergebnissen des 2011 vorgelegten Schulentwicklungsplans (SEP). Aus dem Inhalt des SEP lässt sich entnehmen, dass mit Ausnahme der Gesamtschulen und der Berufskollegs der Gutachter keiner weiterführenden Schulform in Hamm bis 2020 eine Bestandsgarantie ausspricht. Spätestens 2020 werden die politischen Entscheidungsträger, wer diese auch dann sein mögen, sich mit der Thematik auseinandersetzen müssen, welche weiterführende Schule zusammengelegt werden soll. Denn der demografischer Wandel und das Wahlverhalten der Eltern machen es höchst unwahrscheinlich, dass in 10 Jahren noch alle fünf städtische Gymnasien und Realschulen in ihren Bestand gehalten werden können. Man wird an einem Zusammenschluss oder gar Schließung von mindestens einer Realschule oder eines Gymnasiums nicht vorbeikommen. Der Schuldezernent und die Vertreter der Großen Koalition sollten mit den Zahlen ehrlich umgehen und endlich eine Schulpolitik betreiben, die nachhaltig und zukunftsorientiert ist. Man muss aufhören zu reagieren und anfangen endlich aktiv zu gestalten. Denn nur so kann der Schul- und Bildungsstandort gestärkt und damit zukunftssicher gemacht werden.“

Dr. Cevdet Gürle

Schulpolitischer Sprecher

Ratsgruppe Pro Hamm