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Antidiskriminierungsstelle des Bundes reagiert alarmiert!

Bewerber werden diskriminiert

Türkischer Name bringt Nachteile

Fünf Bewerbungen muss ein Kandidat mit deutschem Namen im Durchschnitt schreiben, um zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden – ein Mitbewerber mit türkischem Namen dagegen sieben, wie ein großangelegter Test zeigt. Schon bei ihrem ersten Schritt auf den deutschen Arbeitsmarkt werden Schüler mit türkischen Namen einer Studie zufolge diskriminiert. Bis sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden müssen sie mehr Bewerbungen verschicken als ihre Mitbewerber mit deutschen Namen und gleich gutem Schulabschluss, wie aus einer Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hervorgeht.

Für einen sogenannten Korrespondenztest wurden jeweils zwei Bewerbungen von Schülern deutscher Staatsangehörigkeit an insgesamt knapp 1800 Unternehmen geschickt, die Ausbildungsplätze als Kfz-Mechatroniker und als Bürokaufmann zu besetzen hatten. Die Bewerber waren beide überdurchschnittlich qualifiziert, einziger Unterschied: Einer der Bewerber hatte einen türkischen Namen, der andere einen deutschen.

Die Rückmeldungen fielen unterschiedlich aus und lassen auf eine Ungleichbehandlung schließen: Die Bewerber mit einem deutschen Namen erhielten demnach häufiger eine Antwort auf ihr Bewerbungsschreiben als diejenigen mit einem türkischen Namen. Jugendliche mit einem türkischen Namen wurden seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen und erhielten häufiger eine direkte Absage.

Wertvolles Potenzial geht verloren

Während Unternehmen beklagten, dass es nicht genug qualifizierte Bewerber gebe, bekämen jedes Jahr mehrere zehntausend Schulabgänger keinen Ausbildungsplatz, kritisierten die Wissenschaftler. Darunter seien überdurchschnittlich viele Jugendliche mit ausländischen Wurzeln, was nicht nur daran liege, dass sie schlechtere Noten als ihre Mitschüler mit deutschen Namen hätten, sondern auch an ihrer Benachteiligung an der „ersten Schwelle“ eines Bewerbungsprozesses. „Wenn qualifizierte Kandidaten nur deshalb nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden, weil ihr Name ausländisch klingt, geht dem angespannten Ausbildungsmarkt wertvolles Potenzial verloren“, warnt die Studie.

Die Gründe für die Diskriminierung auf Seiten der Unternehmen seien vielfältig, erklärten die Forscher. Es gebe unbewusste Assoziationen, persönliche Vorurteile und oftmals darauf fußende Vorbehalte gegen die Einstellung eines Lehrlings mit ausländischen Wurzeln. Mancher Personalverantwortliche befürchte, dass Auszubildende mit türkischem Namen von Belegschaft oder Kunden nicht akzeptiert würden. Dabei komme Diskriminierung bei kleineren Unternehmen öfter vor als bei mittleren und großen Unternehmen.

Um Diskriminierung zu verhindern, sollten Ausbilder sensibilisiert und mehr Betriebsangehörige mit ausländischen Wurzeln in die Auswahl und Betreuung von Azubis eingebunden werden, empfiehlt die Studie. Wichtig sei zudem eine stärkere Anonymisierung von Bewerbungsverfahren. So könne eine kostenlose Software entwickelt werden, mit der auch kleinere Unternehmen Bewerbungen in anonymisierter Form entgegennehmen könnten. Mehr Kurzpraktika und Praxistage könnten ebenfalls die Chancen der Jugendlichen erhöhen. Außerdem müssten Politik und Wirtschaft mehr gegen Diskriminierung unternehmen.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes reagierte alarmiert. „Die Studie belegt: Menschen mit Migrationshintergrund werden auf dem deutschen Arbeitsmarkt nachweislich benachteiligt“, erklärte die Leiterin der Einrichtung, Christine Lüders. Unternehmen und öffentliche Einrichtungen sollten deshalb stärker auf anonymisierte Bewerbungsverfahren setzen. „Deutschland kann es sich nicht erlauben, ganze Gruppen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vom Arbeitsmarkt fernzuhalten“, mahnte Lüders.

Quelle: n-tv.de , dpa

http://www.n-tv.de/ratgeber/Tuerkischer-Name-bringt-Nachteile-article12538681.html

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