Hammer Schüler ohne Schulticket

500 Schüler ohne Bustickets

Die Wählergruppe Pro Hamm kritisiert die hohe Ablehnung von mehr als 500 Schülern, die zum laufenden Schuljahr keine Schülerfahrkarte erhalten haben. ,,Hier wird auf den Rücken von Kindern und ihren Familien gespart“, so der Vorsitzende der Wählergruppe Dr. Cevdet Gürle. Gürle: ,,Für viele Eltern ist es nicht nachvollziehbar, dass ihre Kinder, die bisher eine Karte erhalten haben, nun keine mehr erhalten sollen“. Die Stadtverwaltung begründet ihr Handeln mit der Schülerfahrtkostenverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, die in der Vergangenheit relativ familienfreundlich, aber nun strikt nach Vorschrift umgesetzt wird. Die Verordnung schreibt vor, dass eine Übernahme der Fahrtkosten des Schulweges von der Entfernung des Wohnsitzes zur nächstgelegenen Schule der gewünschten Schulform abhängig ist. Hierbei ist es nicht von Bedeutung, ob das Kind tatsächlich auf diese nächstgelegene Schule geht oder nicht. Beträgt diese Entfernung bei Schülern der Sekundarstufe I weniger als 3,5 Kilometer, werden die Kosten nicht übernommen. Ebenso liegen die Grenzen für Schüler der Primarstufe bei zwei Kilometern, für die Sekundarstufe II bei fünf Kilometern. Eine strenge Auslegung der Regelung ist, so Gürle, eine klare Benachteiligung für finanzschwache Familien. Denn wenn der Antrag auf eine Schülerfahrkarte abgelehnt wird, müssen die Kosten in Höhe von 443 Euro von den Eltern übernommen werden. ,,Es darf aber nicht sein, dass der Bildungserfolg eines Kindes vom Geldbeutel der Eltern abhängt. Hier muss die Stadt Hamm als Korrektiv, um die negativen Folgeerscheinungen der Verordnung entgegenzusteuern, einen Sondertopf installieren“, so Gürle. Die Wählergruppe Pro Hamm möchte die Problematik an drei Fallbeispielen konkretisieren.
Erstes Beispiel: Eltern, die in Bockum-Hövel wohnen, aber ihr Kind auf das Freiherr-von-Stein-Gymnasium nach Uentrop schicken wollen, da das Fr.-v.-St.-Gymnasium einen bilingualen Zweig in der Sekundarstufe I anbietet, müssen die Fahrtkosten selber tragen. Eltern, die die finanziellen Ressourcen haben, werden diese Möglichkeit nutzen. Eltern, die nicht in der Lage sind die Kosten zu tragen, werden sich gegen das Fr.-v.-St.-Gymnasium entscheiden müssen. Die Stadt würde in diesem Fall nur eine Fahrkarte für das Galilei-Gymnasium übernehmen.
Zweites Beispiel: Ein Schüler, der in Hamm-Heessen wohnt, möchte die gymnasiale Oberstufe des Märkischen Gymnasiums besuchen, da er hier die Möglichkeit besteht, einen Leistungskurs in Sport zu wählen. Der Schüler, beziehungsweise seine Eltern, werden die Fahrtkosten selber tragen müssen, da die Stadt als nächstgelegene Schule der gewünschten Schulform das Hammonense-Gymnasium berechnet.
Drittes Beispiel: Eltern, die in Herringen wohnen, aber ihr Kind nicht im Stadtbezirk auf eine Grundschule schicken möchten, haben prinzipiell die Möglichkeit in andere Stadtbezirke oder nach Werne auszuweichen. Familien, denen das nötige Kleingeld fehlt, haben nur eine theoretische Wahlmöglichkeit und sind gezwungen, aufgrund der finanziellen Belastung die nächstgelegene Grundschule zu wählen. ,,Das sind nur drei Beispiele, die verdeutlichen sollen, dass die gegenwärtige Regelung bezüglich der Schülerfahrkarten eine klare Diskriminierung von Kindern aus einkommensschwachen Familien ist. Wir haben auf der einen Seite Eltern, die die Wunschschule für ihre Kinder aussuchen können und auf der anderen Seite Eltern, die, ob sie nun wollen oder nicht, ihr Kind an der nächstgelegenen Schule anmelden müssen. Damit die soziale Herkunft den Bildungserfolg eines Kindes nicht festschreibt, muss die schwarz-gelbe Stadtregierung aktiv werden“, so Gürle. Die Wählergruppe Pro Hamm fordert, dass abhängig vom Einkommen der Eltern die Kosten für die Schülerjahresfahrkarte in Teilen bis hinzu vollständig von der Stadt Hamm übernommen werden. ,,Nach dem vorläufigen Berechnungen geht der Stadtkämmerer davon aus, dass das Einsparpotenzial durch eine strenge Auslegung der Schülerfahrkartenverordnung rund 60.000 Euro beträgt. Wir sollten dieses Geld nehmen und in die Kinder investieren, um so ein Mehr an Bildungsgerechtigkeit in unserer Kommune zu schaffen“, so Dr. Gürle.

 

Dr. Cevdet Gürle

Vorsitzender
Pro Hamm

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