Turboabi

NRW hält an Turbo-Abitur fest – Pro Hamm sagt NEIN! –

Die Verkürzung der Schulzeit an den Gymnasien von neun auf acht Jahren soll nach dem Willen der Bildungsministerin Löhrmann in NRW erhalten bleiben. Die Landesregierung in Düsseldorf ignoriert damit den massiven Protest der Schüler, Eltern und Lehrer und hält unbeirrt am Turbo-Abitur fest. Das verkürzte Gymnasium stellt eine starke psychische und physische Belastung für alle Betroffenen dar. Die Schüler sind einer 45 Stundenwoche ausgesetzt und sollen mit der Zuverlässigkeit einer Maschine Leistung abrufen. Eine Studie der LEV (Landes-Eltern-Vereinigung) zum Abitur nach dem G8-Modell zeichnet ein erschreckendes Bild. Rund 70 Prozent der Schüler einer Oberstufe klagen über zu viel Stress, ein Viertel erklärt, dass sie nur ungern in die Schule gehen. Mehr als drei Viertel der Eltern stimmen der Aussage zu, dass das Lernpensum ihrer Kinder sich belastend auf dem Familienalltag auswirke und das ihre Kinder nicht mehr über die Zeit verfügen ihre außerschulischen Aktivitäten weiter zu verfolgen. Um es auf den Punkt zu bringen: Wer Ja sagt zum Abitur nach acht Jahren auf den Gymnasien, sagt auch Ja, dass man den Schülern ihrer Jugend beraubt. Die Kindheits- und Jugendphase als ein eigenständiger Zeitabschnitt der Selbstfindung und der Selbstverwirklichung erodiert zusehends unter dem schulischen Leistungsdruck. Die Gesellschaft erwartet von heute 14jährigen, dass sie idealerweise, die als lästig empfundene pubertäre Phase aussparen und sich schnellstmöglichst als ein produktives Mitglied in die Welt der Erwachsenen einfügen. Wenn man nach den Beweggründen, warum das G8 eingeführt wurde, fragt, kommen pauschale Antworten wie, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schüler gesteigert werden müsse. So kämen Schüler aus Deutschland viel zu spät in Studium und Beruf. Die Politik und die Wirtschaft reduzieren mit einer solch eingeengten Argumenation Schüler auf ihren ökonomischen Wert und sehen in der Verkürzung der Schulzeit bloß ein Instrument den Einzelnen schneller mit seinem „Kaufwert“ den freien Markt zur Verfügung zu stellen. Sie fordern, dass ein Schüler das Abitur mit 17 Jahren zu machen hat und mit Anfang 20 im Arbeitsleben stehen soll, um dann bis zum 70.sten Lebensjahr einen Beruf nachzugehen. Der Staat will Geld sparen und früher an Steuergeld kommen. Die Wirtschaft will von jungen Arbeitskräften, die flexibel und günstig sind, profitieren. Staat wie Wirtschaft lasten aus egoistischen Motiven Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine untragbare Bürde auf. Schüler dürfen in ihrer Lebensgestaltung nicht zusehends eingeschränkt werden. Wann, wenn nicht in der Jugendphase, können Schüler ihre Persönlichkeit formen? Das werden sie aber nur dann können, wenn wir als Gesellschaft ihnen den nötigen Freiraum geben. Des Wegen muss der Irrweg Turbo-Abitur abgebrochen werden! Es ist scheinheilig, wenn Frau Löhrmann erklärt, dass nur 13 der über 600 Gymnasien in NRW eine Rückkehr wünschen und die Gymnasien die Möglichkeit haben jederzeit das G9 an ihrer Schule wieder einzuführen. Die Bildungsministerin unterschlägt in dem Zusammenhang, dass diese Rückkehr keine Rückkehr zum G9 nach dem alten Modell wäre. So würde u.a. die zweite Fremdsprache ebenfalls in der Jahrgangstufe 6 einsetzen und nicht wie erwartet erst in der Klasse 7. Wenn die Gymnasien eine echte Option hätten das alte Modell wieder einzuzführen, dann würde eine große Mehrheit dem zustimmen. Die rot-grüne Landesregierung gibt ihnen diese Option aber nicht!

Pro Hamm

Vorsitzender

Dr. Cevdet Gürle

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